Die erste Wohnung: WirtschaftsWerkstatt setzt auf Finanzkompetenz und Kreativität

Wohnraum ist, gerade in Großstädten, knapp und teuer. Auch für viele junge Erwachsene wird die Suche nach der ersten Wohnung zur Herausforderung – und zu einem wichtigen Schritt in die finanzielle Eigenständigkeit. Das hat die SCHUFA-Bildungsinitiative WirtschaftsWerkstatt zum Anlass genommen, Teams aus Schulen und Universitäten aufzurufen, kreative Konzepte für alternative Wohnformen zu entwickeln. Serena Holm, Bereichsleiterin Corporate Affairs, Verantwortliche für die SCHUFA-Bildungsinitiative und Mitglied der Fachjury auf dem Kolleg, erzählt, wie die SCHUFA mit ihrer Bildungsinitiative junge „Nestflüchter“ online und offline erreicht und sie bei ihrem Schritt in die finanzielle Eigenständigkeit unterstützt.

Die WirtschaftsWerkstatt möchte jungen Menschen Finanzkompetenz vermitteln. Warum beschäftigt sich die Bildungsinitiative der SCHUFA mit dem Thema Wohnen?

Die WirtschaftsWerkstatt ist ein wichtiger Bestandteil unseres gesellschaftlichen Engagements. Seit Gründung der Bildungsinitiative vor fünf Jahren ist Wohnen dort eines der zentralen Themen. Denn der erste eigene Haushalt ist häufig der Start in die finanzielle Eigenständigkeit. Eine unserer Umfragen hat ergeben, dass fast ein Viertel der Jugendlichen bereits im Alter zwischen 18 und 19 Jahren zu Hause auszieht – und sich in der Regel selbst um die Wohnungssuche kümmert. Diese „Nestflüchter“ brauchen hierfür natürlich entsprechende Kompetenzen und das notwendige Wissen im Umgang mit Geld und Verträgen. Dies wollen wir im Rahmen der WirtschaftsWerkstatt vermitteln. Gleichzeitig entwickelt sich das Wohnen zu einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung. Knapper Wohnraum sorgt gerade in den Großstädten für steigende Mieten. Wir halten es deshalb für sehr wichtig, dass sich Jugendliche mit der Frage beschäftigen, wie sie künftig wohnen wollen und welche Lösungsmöglichkeiten es gibt. Daher haben wir diesen Wettbewerb ins Leben gerufen.

Können Sie sich noch an Ihre erste eigene Wohnung erinnern?

Natürlich. Meine erste Wohnung musste ich von Grund auf renovieren. Glücklicherweise hatte ich handwerkliche Unterstützung aus meinem Freundeskreis. Aber die Kosten für das Material haben mich das eine oder andere Mal überrascht und ein großes Loch ins Budget gerissen. Aber am Ende hatte ich meine „Traumwohnung“.

Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für junge Menschen, wenn sie das „Hotel Mama“ verlassen?

Wie mein persönliches Beispiel zeigt, ist die größte Herausforderung, mit einem fixen Budget zu planen. Das heißt, ich muss einschätzen können, wofür ich wie viel Geld benötige und die Ausgaben im Blick behalten. Auch Konflikte mit den Mitbewohnern oder dem Vermieter können herausfordernd sein. Deshalb ist es wichtig Verträge zu verstehen und deren Folgen abschätzen zu können. Umso erschreckender ist es, dass laut einer SCHUFA-Umfrage nur 40 Prozent der Jugendlichen ihre Fähigkeit zum Abschluss eines Mietvertrags „sehr gut“ oder „gut“ einschätzen. Nur 48 Prozent der Jugendlichen haben sich bereits ausführlich mit dem Thema beschäftigt. Hier sehen wir Handlungsbedarf.

Wo legt die WirtschaftsWerkstatt Schwerpunkte beim Thema Wohnen?

Wie gesagt: Wohnen ist ein komplexes Thema, das viele neue Fragen in unterschiedlichen Bereichen aufwirft. Die WirtschaftsWerkstatt hat zum einen die finanziellen Herausforderungen im Blick: Worauf sollte ich beim Mietvertrag achten? Wie behalte ich meine monatlichen Ausgaben im Blick? Und welche Versicherungen brauche ich eigentlich? Auf der Webseite der WirtschaftsWerkstatt finden Jugendliche Antworten. Wir versuchen die Inhalte alltagsnah und auf eine Art zu vermitteln, die Spaß macht. Zur Aufklärung in Finanzfragen gehören für uns daher auch Anregungen, sich kreativ mit dem Thema auseinanderzusetzen: Hierfür nutzen wir insbesondere soziale Netzwerke, in denen die Jugendlichen sowieso aktiv sind. Auf Instagram gab es beispielsweise eine Challenge zu außergewöhnlichen Wohnorten. Ob Mehrgenerationen-WGs, so genannte Tiny Houses oder Hausboote, wir konnten uns über einige kreative Einreichungen freuen. Neben den Online-Angeboten suchen wir auch regelmäßig den persönlichen Kontakt mit den Jugendlichen. Wie zuletzt bei unserem Wettbewerb, dem WirtschaftsWerkstatt Kolleg, unter dem Motto „Wohnen neu denken“. Auf einem Summit in Berlin stellten Schul- und Universitätsteams ihre Ideen vor.

W2-Kolleg: Innovative Ideen und konstruktive Umsetzung

Das Kolleg:

  • Unter dem Motto „Wohnen neu denken“ entwickelten Teams aus fünf Schulen und Universitäten spannende Konzepte
  • Vorgestellt wurden die Konzepte auf dem W2 Jugend Summit im Sommer 2018 in Berlin

Die Sieger:

  • Die Schülerinnen und Schüler des Erich-Gutenberg-Berufskollegs Köln haben sich mithilfe von Standard-Schiffscontainer eine Möglichkeit überlegt, flexibel Wohn- und Büroräume miteinander zu kombinieren. So entsteht auf einfache Art und Weise ein flexibel gestaltbarer Wohn- und Arbeitsraum gleichzeitig.
  • Die Studierenden der Dualen Hochschule Baden-Württemberg haben einen Ansatz entwickelt, um mithilfe von IT Wohnraum an einzelne Lebensmodelle anzupassen. Auf diese Weise werden gesellschaftliche Entwicklungen wie Individualisierung und Digitalisierung mit der Alltagswelt verknüpft.

Sie waren auf dem W2 Summit in Berlin Teil der Jury. Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an den Siegerkonzepten?

Für mich war der Summit, auf dem die Teams ihre Ansätze präsentierten, ein unglaublich spannender Tag mit vielen kreativen Ansätzen. Besonders interessant fanden ich und meine Jury-Kollegen, dass die Teams bei ihren Lösungen sehr stark auf den Einsatz digitaler Anwendungen gesetzt haben. Aber wir mussten uns nun einmal für jeweils einen Sieger unter den Schulen und unter den Hochschulen entscheiden, wobei natürlich die Budgetplanung und die Kosten-Nutzen-Analyse eine wichtige Rolle spielten.

Welchen Ansatz verfolgt die WirtschaftsWerkstatt mit dem „analogen“ Kolleg-Format?

„Wohnen neu denken“ war bereits unser zweites Kolleg. Und auch im kommenden Jahr planen wir die Ausrichtung eines solchen Wettbewerbs. Mit dem Kolleg können wir zeigen, wie zeitgemäßer Unterricht zu einem komplexen Themenfeld wie Wirtschaft und Finanzen aussehen kann. Wir haben deshalb einen Ansatz entwickelt, bei dem Jugendliche und junge Erwachsene eigene Erfahrungen zu gesellschaftlich relevanten Finanzthemen sammeln und konkrete, anschauliche Ergebnisse erarbeiten. Außerdem haben wir einen sehr intensiven, direkten Austausch mit unseren Zielgruppen – den Jugendlichen und den Lehrkräften. Auf diese Weise holen wir uns also auch Feedback und Inspirationen für unsere künftige Arbeit.

Und wie ist das Feedback?

Die Rückmeldung zum Kolleg ist sehr, sehr positiv – sowohl seitens der Teilnehmer als auch seitens der Lehrkräfte und Dozenten. Vor allem die Pitch-Situation, also die Präsentation einer Idee vor Fachpublikum, kommt im regulären Unterricht oder im Universitäts-Seminar selten vor. Ein Hochschuldozent schrieb uns, dass es für die Studierenden eine tolle Erfahrung war, von Profis aus dem „richtigen Leben“ ernsthaftes und differenziertes Feedback zu bekommen. Das bestärkt uns natürlich darin, das W2 Kolleg weiterzuführen. Wer immer auf dem Laufenden sein möchte, sollte am besten regelmäßig auf der Website www.wirtschaftswerkstatt.de vorbeischauen.

Alles rund um die SCHUFA-Bildungsinitiative