29.11.2018


Stellungnahme zur aktuellen Medienberichterstattung

Wir sehen uns aktuell erneut mit einer unsachlichen und falschen Berichterstattung von Spiegel Online und des Bayerischen Rundfunks (BR) konfrontiert, die auch von anderen Medien übernommen worden ist.

Spiegel und BR setzen damit die aktive Unterstützung der OpenSCHUFA Kampagne fort, die sich nach eigenen Angaben zur Aufgabe gemacht hatte, die „SCHUFA zu knacken“, also die Scoreformel offen zu legen. Wir hatten uns bereits am 15. Februar 2018 ausführlich zu der Kampagne geäußert.

Wie aus der aktuellen Berichterstattung zu erkennen ist, hat die Kampagne ihr Ziel weit verfehlt, denn lediglich 2.800 Personen haben ihre persönlichen Daten zur Verfügung gestellt. Bezogen auf die 67,5 Millionen bei der SCHUFA gespeicherten Personen bedeutet dies eine Stichprobe von nur 0,0042 Prozent.

In der aktuellen Berichterstattung geben die Initiatoren der Kampagne sowie die Datenanalysten ferner selbst zu, dass die Stichprobe nicht repräsentativ ist und bezeichnen sie zudem noch als verzerrt:

„Der Datensatz stellt nur einen kleinen, durchaus verzerrten Ausschnitt der Verbraucher in Deutschland dar - Männer sind überrepräsentiert, ältere Menschen unterrepräsentiert. “

Im Klartext heißt das, dass die Stichprobe schlicht ungeeignet ist, valide Aussagen zum SCHUFA-Verfahren zu machen. Dennoch suggeriert die Berichterstattung, die Daten ließen „einen nie dagewesenen Einblick in das Innerste von Deutschlands wichtigster Auskunftei“ sowie „wichtige Rückschlüsse auf die Funktionsweise des Schufa-Scorings“ zu.

Die Berichterstattung fußt jedoch nicht nur auf einer ungeeigneten Anzahl an Daten. Sie lässt überdies auch eine Fülle von sachlichen Fehlern erkennen und enthält dem Leser bzw. Zuschauer wesentliche Fakten vor. Darauf hatte die SCHUFA in ihrer ausführlichen Stellungnahme an die Medien deutlich hingewiesen und zudem um die ordnungsgemäße Konfrontation mit Tatsachen und validen Recherche-Ergebnissen gebeten. Dies ist leider seitens der Autoren ausgeblieben.

Die Berichterstattung ist insbesondere aus den nachfolgenden Gründen unzutreffend:

1. Objektiver Nutzen von Kredit-Scoring nicht dargestellt

Es ist in der Fachwelt anerkannt, dass Kredit-Scoring-Verfahren eine wichtige Funktion für Wirtschaft, Verbraucher und Gesellschaft haben. So belegen mehrere unabhängige Gutachten, dass durch die Existenz von Kredit-Scoring der Zugang zu Krediten erleichtert wird; auch und gerade für Personengruppen, die ansonsten kaum oder keinen Zugang zu Krediten bekommen würden. Die Studie „Scoring im Fokus: Ökonomische Bedeutung und rechtliche Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich“ von Michael Schröder/Jürgen Taeger (Hrsg.) kann unter dem nachfolgenden Link von Jedermann heruntergeladen werden:

http://www.handelsauskunfteien.de/fileadmin/user_upload/handelsauskunfteien/doc/DW_Scoring_Studie_04092014.pdf.

Diese Tatsache wäre schon deswegen notwendigerweise darzustellen gewesen, weil dadurch klar wird, dass die SCHUFA als ein relevanter Anbieter von Kredit-Scores gerade für Zugänge zu Kreditgeschäften und somit für Teilhabe sorgt. Der Beitrag induziert irrigerweise das Gegenteil.

2. Unvollständige und einseitige Darstellung der Studie des Sachverständigenrates für Verbraucherfragen

Auf die vorteilhafte Funktion des Bonitäts-Scoring wird auch im jüngst veröffentlichten Gutachten „Verbrauchergerechtes Scoring“ des Sachverständigenrates für Verbraucherfragen (SVRV) an mehreren Stellen hingewiesen:

z.B. S. 14: „Scoring – vor allem das Bonitäts-Scoring – erfüllt in einer Marktwirtschaft für beide Marktseiten eine wichtige transparenz- und Vertrauensfunktion“;

z.B. S. 18: „Im Gegensatz zu […] noch relativ neuen Einsatzbereichen von Scoring wird die verbraucher- und marktpolitische Diskussion um die Rolle des Bonitäts-Scorings im Finanzwesen schon viele Jahrzehnte geführt. Aus der insgesamt guten Studienlage lässt sich kurz über die gesamtgesellschaftlichen Vorzüge des Bonitäts-Scorings zusammenfassen: die Verwendung von Bonitäts-Scores reduziert Kreditausfälle; sie senken Transaktionskosten und sind daher für die Funktionsfähigkeit von Finanzmärkten wichtig (Schröder et al., 2014).

Zudem können Bonitäts-Scores dazu beitragen, eine Informationsasymmetrie zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern abzubauen und Kreditrationierung zu verhindern, weil die für eine Kreditvergabe entscheidenden Informationen über den potenziellen Kreditnehmer dem Kreditgeber vorliegen (Schröder et al., 2014). Im Bereich des Online-Shoppings tragen Bonitäts-Scores wesentlich dazu bei, dass Online-Betrug erkannt und verhindert wird (Bolton & Hand, 2002; Marschall, Morawitzky, Reutter, Schwartz & Baars, 2015).“

Die aktuelle Berichterstattung erwähnt dies jedoch nicht.

Ferner stellt die Berichterstattung die Ergebnisse des Gutachtens zum Thema Transparenz nur einseitig dar. So lässt sie alleinig einen Vertreter des Sachverständigenrates zu Wort kommen, der diesbezüglich eine Mindermeinung vertritt, auf die auch im Gutachten selbst hingewiesen wird. Demgegenüber ignoriert die Berichterstattung, was zum Thema Transparenz von Scoring-Verfahren bereits auf Seite 26 aufgeführt wird:

Den Transparenzinteressen „können auf der anderen Seite Geheimhaltungsinteressen desjenigen, der ein Scoring durchführt (im Folgenden auch als „Scorer“ bezeichnet), oder der Allgemeinheit gegenüberstehen. Ein Geheimhaltungsinteresse des Scorers liegt regelmäßig dann vor, wenn die Prognoseleistung des Scoring-Verfahrens dieses wirtschaftlich wertvoll und damit als Unternehmensgeheimnis schützenswert macht (anerkannt bei BGH, Urteil vom 28. Januar 2014 – VI ZR 156/13 –, BGHZ 200, 38; siehe auch C.III.3). Wenn bekannt wird, wie das algorithmische Verfahren der Score-Berechnung im Einzelnen ausgestaltet ist, verliert es seinen Charakter als Geschäftsgeheimnis und kann von Konkurrenten übernommen werden. Ein Geheimhaltungsinteresse der Allgemeinheit kann daraus folgen, dass bei Offenlegung des Scoring-Verfahrens dessen Prognosekraft unter bestimmten Umständen (zu diesen sogleich) abnimmt. Dies kann gesellschaftlich unerwünscht sein. Ein Allgemeininteresse an, zum Beispiel, zuverlässigen Bonitätsbewertungen ist nicht von der Hand zu weisen.“

Die SCHUFA hat auf den Zusammenhang zwischen dem Allgemeininteresse an zuverlässigen Bonitätsbewertungen und den damit verbundenen Geheimhaltungsinteressen bereits in der vorgenannten Stellungnahme zur OpenSchufa Kampagne im Februar hingewiesen. Insbesondere wäre eine Veröffentlichung eine Bedienungsanleitung für Manipulationen durch Zahlungsunwillige und für Betrüger, die die Schutzmechanismen zur Betrugserkennung umgehen würden. Trotz unseres erneuten Hinweises in der Stellungnahme wurde auch dieser Sachverhalt den Lesern und Zuschauern vorenthalten.

Ebenso vorenthalten wird, dass die SCHUFA die Berechnungsmethode bereits im Jahr 2010 sämtlichen Datenschutzbehörden der Länder und des Bundes gegenüber offengelegt und damit für eine entsprechend ausreichende Transparenz gesorgt hat. (vgl. hierzu auch Prof. Täger, Universität Oldenburg: „Dadurch erweist sich die Aufsichtsbehörde als ‚Treuhänder‘ beider Seiten, der die Korrektheit der Berechnungsmethode gewährleistet.“ Der Vollständige Beitrag ist nachzulesen in „Multimedia und Recht - Zeitschrift für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht“, 2014, Heft 7, Seite 425-500).

Auch im siebzehnten Bericht der Landesregierung über die Tätigkeit der für den Datenschutz im nicht öffentlichen Bereich in Hessen zuständigen Aufsichtsbehörden (Landtagsdrucksache 16/3650, Seite 11, heißt es: „Aufgrund des Gutachtens bestehen daher keine Zweifel mehr an der Wissenschaftlichkeit des von der SCHUFA eingesetzten Scoring-Verfahrens“. Auch diesbezügliche Feststellungen im Gutachten des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen, technische und rechtliche Betrachtungen algorithmischer Entscheidungsverfahren, S. 99, lassen die Autoren trotz unseres Hinweises unberücksichtigt.

3. Falsche Darstellung zum Scoring mit wenigen gespeicherten Daten

Wenn – wie im Bericht dargestellt – zu einem Verbraucher, aufgrund dessen tatsächlicher Kreditaktivitäten ausschließlich drei Girokonten gespeichert sind, wird er jedoch nicht nur durch diese charakterisiert. Auch das Nicht-Vorhandensein einer Information ist eine wichtige Information, die impliziert, dass der Verbraucher über keine Kreditkarte verfügt, keine laufenden oder zurückbezahlten Kredite hat, keine Zahlungsstörungen vorliegen, etc. Damit ist die Kreditaktivität bzw. -historie der betreffenden Person weit konkreter beschrieben, als dass die Autoren der Berichterstattung dies behaupten. Insofern ist auch die Zuordnung zu einer entsprechenden Risikogruppe möglich und damit eine valide Prognose der statistischen Ausfallwahrscheinlichkeit.

4. Kritik an Speicherfristen ist unsachlich und ignoriert den Willen des Gesetzgebers bzw. den durch die Aufsichten der Länder genehmigten Code of Conduct

In der Berichterstattung wird ferner kritisiert, dass die SCHUFA negative Informationen für mehrere Jahre speichert, „selbst dann, wenn der oder die Betroffene die Angelegenheit für längst abgeschlossen hält“. Dies ist gleich doppelt irreführend bzw. falsch.

Zum einen ist für eine valide Prognose nicht entscheidend, ob ein Verbraucher eine ordnungsgemäß gemeldete Zahlungsstörung subjektiv für erledigt hält, sondern ob diese den Tatsachen nach erledigt ist oder nicht.

Zudem sind die Speicherfristen das Ergebnis von für alle Auskunfteien gleichermaßen geltenden Regelungen: Zur Zeit der Gültigkeit des Bundesdatenschutzgesetzes hatte der Gesetzgeber die Speicherfristen direkt im Gesetz geregelt. Zum Beispiel, dass Negativmerkmale noch drei Jahre nach Erledigung gespeichert werden können. Seit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung ist diese Dreijahresfrist durch einen Code of Conduct der Auskunfteien mit allen deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden einvernehmlich geregelt. Dies gilt auch für die im Bericht explizit kritisierte Speicherung von Informationen über eine Restschuldbefreiung.

Hier werden dem Leser/Zuschauer also wesentliche Fakten vorenthalten und somit der falsche Eindruck erzeugt, die Dauer der Speicherung von Merkmalen sei von der SCHUFA frei und willkürlich wählbar.

5. Der Geschäftszweck der SCHUFA, Kredite zu ermöglichen, wird in das Gegenteil verkehrt und die hohe Prognosequalität des SCHUFA-Scores ignoriert

Die Berichterstattung vermittelt den Eindruck, als hätten die SCHUFA bzw. ihre Vertragspartner ein Interesse daran bzw. würden es hinnehmen, Verbraucher vom Zugang zu Krediten oder kreditorischen Geschäften auszuschließen. Das Gegenteil ist der Fall: Geht es beim SCHUFA-Verfahren – unter Beachtung der gesetzlichen Reglungen – seit Gründung der SCHUFA vor 91 Jahren doch gerade um das Ermöglichen von Teilhabe an Kreditgeschäften und nicht um den Ausschluss davon (vgl. auch https://www.schufa.de/de/ueber-uns/unternehmen/aufgabe-wirtschaft/).

Die SCHUFA steht im Wettbewerb zu anderen Anbietern. Kein Unternehmen ist verpflichtet, Informationen von der SCHUFA zu beziehen. Und doch entscheidet sich eine wachsende Zahl von Unternehmen für eine Zusammenarbeit mit der SCHUFA – das zeigt die Entwicklung unserer Unternehmenszahlen deutlich. Ein wesentlicher Grund dafür ist die von der SCHUFA gelieferte Qualität, die in Vergleichstests bei Unternehmen immer wieder bestätigt wird. Dafür spricht auch die seit vielen Jahren konstant hohe Kredit-Rückzahlungsquote von 97,8 Prozent; diese auch im internationalen Vergleich überaus hohe Quote wäre ohne die hohe Qualität der SCHUFA-Bonitätsinformationen nicht möglich.

Zudem nutzen die Unternehmen insbesondere die Informationen der SCHUFA, um – aufgrund der von ihr gelieferten Qualität und Trennschärfe – auch und gerade bei der Analyse besonders risikobehafteter Kundengruppen noch die Teilgruppen zu ermitteln, der dennoch zu kalkulierbaren und vertretbaren Risiken ein Angebot ausgelegt werden kann.

Vor dem Hintergrund der Zielsetzung der Unternehmen, in einem hart umkämpften und preissensiblen Wettbewerb Geschäfte zu ermöglichen, sind auch Vermutungen einer Diskriminierung absurd; würde damit ja gerade zwangläufig hingenommen, dass „gute“ Kunden(gruppen) objektiv unbegründet von Kreditgeschäften ausgeschlossen werden. Daran gibt es weder auf Seiten der SCHUFA noch auf Seiten der Unternehmen ein Interesse.

Fazit:

Die Fehlinterpretation von Sachverhalten, das Weglassen von Fakten, das Vorenthalten wesentlicher Aussagen Dritter zum SCHUFA-Verfahren sowie das Ignorieren relevanter Inhalte vorliegender Gutachten führen im Ergebnis zu einer fehlerhaften und damit irreführenden Berichterstattung.

Als Quelle für eine objektive Sachverhaltsbewertung dienen die nachfolgenden Informationen und Fakten sowie der Wortlaut des Gutachtens des Sachverständigenrates.

Weiterführende Informationen und Fakten

Fakten, häufige Fragen und Mythen

Informationen rund um das Scoring, Datenschutz und DS-GVO

Wohin man sich wenden kann: Verbraucherservice und SCHUFA Ombudsmann