Experte für Identitätsmissbrauch rät: Verantwortung für persönliche Daten übernehmen

Identitätsschutz gewinnt an Bedeutung, denn Betrugsfälle mehren sich und gerade im Internet sind persönliche Daten oft nicht ausreichend sicher. Doch man kann selbst aktiv werden, um seine Identität vor Missbrauch zu schützen. Ein EU-Experte klärt auf.

Als Head of Forensic Services bei der Result Group ist Jürgen Kempf Leiter des Projekts VISIT. Die von der EU geförderte Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, Fälle von Identitätsmissbrauch sowie illegale Methoden im Internet zu analysieren, das Bewusstsein zu schärfen und Strategien zum Schutz von Identitäten zu fördern, unter anderem mit einem E-Learning-Programm.

Herr Kempf, warum gewinnt Identitätsschutz an Bedeutung?

Jürgen Kempf: Weil sich die Betrugsfälle mehren und bislang weder Verbraucher noch Unternehmen ausreichend sensibilisiert sind. Vor allem bei jungen Leuten fehlt es oftmals an einem Bewusstsein für einen aufmerksamen Umgang mit ihren Daten. Jeder sollte sich bei der Herausgabe seiner Daten immer erst einmal fragen: Braucht der Shop oder das Portal meine Identität wirklich und wenn ja, wozu? Diese Verantwortung für seine Daten sollte jeder übernehmen.

Warum gibt es so viele Identitätsdelikte?

Jürgen Kempf: Meist gehen die Betrüger überaus geschickt und skrupellos vor. Manche ziehen sogar in die Nähe ihrer Opfer und bestellen Ware unter deren Namen, bevor sie spurlos verschwinden. Vermieter, die sich vor dem Einzug die Bonität eines Interessenten durch eine SCHUFA-Auskunft bestätigen lassen, können sich und andere Mieter allerdings vor solchen Betrügern schützen. Immer mehr Identitätsdiebe nehmen auch Kinder ins Visier und bestellen unter dem Namen Minderjähriger Waren im Internet mit falschen Geburtsdaten.

Wie ist der Identitätsschutz in Deutschland reguliert?

Jürgen Kempf: Identitätsmissbrauch ist in Deutschland ein Betrugs- oder ein Finanzdelikt, doch es gibt dazu es keinen gesonderten Rechtsparagrafen. Versuche, Ministerien von der Notwendigkeit einer Gesetzesänderung zu bewegen, sind bisher ohne Erfolg geblieben. Public Private Partnerships, also eine Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft sind ‚ausbaufähig‘. Im Vergleich mit anderen Ländern hat Deutschland die Gefahren noch nicht ausreichend realisiert. Doch spätestens seit dem Amoklauf in München, für den der Täter seine Waffe im Darknet erworben hat, passiert hier mehr im öffentlichen Dialog. Die Sicherheitsbehörden, Bundes- und Landesverfassungsschutz kümmern sich in letzter Zeit verstärkt um Cyberkriminalität und Identitätsmissbrauch.

Die SCHUFA bietet Hilfe für Opfer von Identitätsbetrug