SCHUFA-freie Kredite: Vorsicht vor den Tricks vieler Anbieter

Im Internet, in der Zeitung oder im Teletext – überall findet man Werbung für „Kredite ohne SCHUFA." Sie versprechen Menschen mit finanziellen Problemen ein schnelles und unbürokratisches Darlehen oder Handyverträge. Was zunächst attraktiv und für manche verlockend erscheint, nimmt aber oft ein böses Ende, denn in den meisten Fällen handelt es sich dabei um unseriöse Anbieter, die die Notlage der Kreditsuchenden ausnutzen.

Interview mit Christian Maltry, Schuldnerberater beim Landratsamt Main-Spessart

Herr Maltry, wen haben die Anbieter SCHUFA-freier Kredite im Visier und wie sehen die Praktiken und Geschäftsmodelle aus?

Die Angebote locken mit Krediten für Menschen, die nicht mehr kreditwürdig sind. Unsere Studie im Auftrag der SCHUFA ergab allerdings, dass nur ein bis zwei Prozent auf diesem Wege tatsächlich einen Kredit bekommen. Die Branche hat sich vielmehr auf den Verkauf anderer Dienstleistungen und Produkte spezialisiert. Beispielsweise stellen Anbieter Auslagen für vermeintliche Bemühungen um einen Kredit in Rechnung. Auch unnötige Besuche von Außendienstmitarbeitern werden gerne in Rechnung gestellt.

Welche Produkte werden verkauft, die möglicherweise nichts mit einem Kredit zu tun haben?

Von der Haftpflichtversicherung über einen Bausparvertrag bis hin zur Kreditratenausfallversicherung, die nichts anderes ist als eine Unfallversicherung. Besonders gerne werden auch Unternehmens- oder Genossenschaftsbeteiligungen verkauft. Dies ist besonders heimtückisch, da Käufer in Höhe der Einlage haften, welche meist zwischen 5.000 und 10.000 Euro liegt. Wer einen Kleinkredit aufnimmt, bekommt dafür ein doppelt so hohes Haftungsrisiko. Beworben wird das Ganze als VWL-Vertrag, der die Bonität und das Ansehen bei der Hausbank erhöhen soll. A propos Bonität: Wir haben auch schon erlebt, dass für 50 Euro eine spezielle Bonitätsprüfung zur angeblichen Wiederherstellung der Kreditwürdigkeit angeboten wurde. Und wenn es besonders schnell gehen soll, helfen 10 bis 20 Euro in einem Umschlag auf dem kurzen Dienstweg. Mit derlei Methoden werden Gesetze umgangen. Dies ist ein riesengroßer Markt mit betrügerischen Strukturen.

Könnten Sie kurz ein repräsentatives Fallbeispiel skizzieren?

Typischerweise ist jemand in einer verzweifelten Situation, etwa weil er seit zwei Monaten im Mietrückstand ist und ihm bereits mit fristloser Kündigung gedroht wurde. Er wählt im Internet einen von mehreren hundert Anbietern aus und bekommt eine Bestätigungsmail. Schon beim Anklicken eines Links klingelt es quasi in der Kasse des Kreditvermittlers. In einem Online-Formular fragt dieser zahlreiche Daten zur Einkommens- und Lebenssituation ab. Mehr als die Hälfte der in der Studie getesteten Firmen vereinbaren übrigens in ihren Vermittlungsverträgen oder den AGB entgegen ihrem Werbeversprechen eine SCHUFA-Klausel und holen auch tatsächlich Anfragen ein!

Unserer Beispielperson wird nun wahrscheinlich eine Kreditratenausfallversicherung verkauft oder eine Finanzsanierung angeboten, die sich als Kredit tarnt: Im Vertrag ist zwar von Zinsen, jedoch nicht von einer Auszahlung die Rede. Bei seiner Zustellung werden dann 180 Euro Nachnahmegebühr fällig. In der Folge stellt unser beispielhafter Kreditsuchender fest, dass er an eine Firma weitervermittelt wurde, die Zahlungen und Gebühren eintreibt. Parallel wurden die wertvollen Daten unseres Schuldners für ca. 7 Euro weiterverkauft, eine weitere Einnahmequelle. Kommt es zu Zahlungsverzögerungen, tritt ein Inkassounternehmen mit schriftlichen Drohungen auf den Plan. Wie laut Studie ca. 25 bis 40 Prozent der Menschen in einer ähnlichen Situation, ist unsere Beispielperson ein Angstzahler und kommt der Forderung nach.

Was raten Sie Menschen, die derartigen Betrügern in die Falle gegangen sind?

Finger weg von solchen Angeboten! Kommt dieser Rat zu spät, helfen eine kostenfreie Schuldnerberatungsstelle oder ein Anwalt der Verbraucherzentrale dabei, den Ursachen für die Schulden auf den Grund zu gehen und geben Handlungsempfehlungen. Auf keinen Fall sollte man den Zahlungsaufforderungen dieser Kreditvermittler nachkommen. Denn bei angeblichen Ansprüchen handelt es sich lediglich um Behauptungen, gegen die sich Verbraucher wehren können. Sollte es zum Prozess kommen, kann gegebenenfalls Prozesskostenhilfe in Anspruch genommen werden. Doch ich habe es noch nie erlebt, dass sich die Gegenseite auf streitige Verfahren einlässt. Schließlich haben sie kein Interesse daran, dass die Rechtsprechung zu ihren Lasten geht.

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