„OpenSchufa“-Kampagne irreführend und gegen Sicherheit und Datenschutz in Deutschland

Das SCHUFA-Verfahren zur Scoreberechnung ist bereits für Behörden und Aufsichten transparent // Wer die Berechnungsmethode jedoch der Allgemeinheit gegenüber offenlegen will, leistet Vorschub für Betrug, Missbrauch und der Abwanderung von Know-how aus Deutschland // Zweifel an Unabhängigkeit der Kampagne bleiben bestehen // Fokus auf die SCHUFA geht zudem am Anspruch „gesellschaftliche Auswirkungen zu thematisieren“ vorbei

Die SCHUFA ist eines der am intensivsten regulierten und staatlich beaufsichtigten Unternehmen und erfüllt alle Transparenzanforderungen. Sie hat als einzige Auskunftei ihr Verfahren zur Scoreberechnung bereits 2010 gegenüber den Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder offengelegt. Es ist wissenschaftlich überprüft und aussagekräftig. Die zuständige hessische Datenschutzaufsichtsbehörde lässt sich die Ergebnisse der Begutachtungen stets vorlegen und prüft diese. Ebenso werden die Scores im Rahmen der Prüfungen der Risikomodelle der Banken durch die BaFin betrachtet. Die hohe Qualität des SCHUFA-Verfahrens wird auch dadurch belegt, dass 97,8 Prozent der Verbraucherkredite ordnungsgemäß zurückbezahlt werden. Mit ihren Informationen leistet die SCHUFA einen wesentlichen Beitrag für ein funktionierendes Verbraucherkreditsystem in Deutschland. Das sichert Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und die Steuereinnahmen des Staates. Ebenso trägt die SCHUFA zur Verhinderung von Betrug und Identitätsmissbrauch bei und hilft, die Überschuldung privater Verbraucher zu vermeiden.

Auch der Gesetzgeber stellt in der Gesetzesbegründung zum neuen Bundesdatenschutzgesetz klar heraus: “Die Ermittlung von Kreditwürdigkeit und die Erteilung von Bonitätsauskünften bilden das Fundament des deutschen Kreditwesens und damit auch der Funktionsfähigkeit der Wirtschaft. […] Scoringverfahren und Kreditinformationssysteme mit der Einmeldung von Positiv- und Negativdaten, […] werden nach wie vor als wichtige Voraussetzungen für das Wirtschaftsleben angesehen.“

Irreführung unter dem Deckmantel der Transparenz

Die unter dem Namen „OpenSchufa“ von AlgorithmWatch und der Open Knowledge Foundation initiierte Kampagne will nach eigenen Angaben die Scoreformel „knacken“ und ruft Verbraucher dazu auf, ihre SCHUFA-Datenübersichten mit ihren persönlichen und schutzbedürftigen Informationen einzusenden. Die SCHUFA bezeichnet das Vorhaben als klar gegen die übergeordneten Interessen von Wirtschaft, Gesellschaft und den Wirtschaftsstandort Deutschland gerichtet. Denn wer die Scoreformel gegenüber der Allgemeinheit offenlegen will, leistet Vorschub für Missbrauch und Betrug und führt die Allgemeinheit unter dem Deckmantel der Transparenz in die Irre. Denn wer, wenn nicht derjenige, der seinen Score manipulativ verbessern möchte, sollte ein Interesse daran haben, die Details eines wissenschaftlich anerkannten und in der Praxis bewährten Berechnungsverfahrens zu kennen?

Der ehrliche Verbraucher wäre der Dumme

Die Initiative richtet sich somit gegen alle Bürger, die ihren vertraglichen Verpflichtungen ordnungsgemäß nachkommen und sich als ehrliche und zuverlässige Kunden erweisen. Das ist die überwältigende Mehrheit der Bürger unseres Landes; zu über 90 Prozent der bei der SCHUFA gespeicherten Personen liegen ausschließlich positive Informationen vor. Zudem birgt eine Offenlegung des in 2014 vom BGH als „schützenswertes Betriebsgeheimnis“ bezeichnete Verfahren der SCHUFA zur Berechnung der Rückzahlungswahrscheinlichkeiten eine Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Denn es wird riskiert, dass die hochwertige und datenschutzkonforme Dienstleistung der SCHUFA dann auch aus Ländern heraus angeboten werden kann, die weit geringere Ansprüche an Datenschutz und Datensicherheit stellen.

Es darf stark bezweifelt werden, dass das Unterfangen der Initiatoren also im Interesse der Allgemeinheit ist. Vielmehr erzeugt die ausschließlich auf die SCHUFA fokussierte Initiative den Eindruck einer interessegeleiteten Kampagne. Irritierend ist zudem, dass AlgorithmWatch finanziell von der Bertelsmann Stiftung unterstützt wird, die zu dem Konzern gehört, dem auch eine große Auskunftei angehört, die gerade in den für Verbraucher besonders relevanten Branchen Handel und eCommerce marktführend ist und mit der SCHUFA im Wettbewerb steht. Dieser Marktteilnehmer wird jedoch nicht betrachtet.

Fokus der Kampagne auf die SCHUFA geht am Markt und der Verbraucher-Realität vorbei

Scoringverfahren finden heutzutage in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft und des privaten Lebens Anwendung: Medizin, Meteorologie, Kriminalitätsbekämpfung, Werbung, Touristikindustrie, Vergleichsportale, Soziale Netzwerke und Suchmaschinen, Handel und eCommerce sowie Rabattsysteme, Medien, etc. sind nur einige Beispiele, in denen – und zwar mit weit größerem Einfluss auf die Gesellschaft – Algorithmen und Scoringverfahren zum Einsatz kommen. Ferner verwenden privat zunehmend gerne genutzte Sprachassistenten aber auch das digitale Fotoalbum (z.B. zur Sortierung von Fotos nach Personen) solche Verfahren. Die dabei anfallende Datenmenge übersteigt bei weitem den Umfang des ausschließlich auf kreditrelevante Daten beschränkten Datenbestands der SCHUFA. Das Kredit-Scoring der SCHUFA betrifft nur einen relativ kleinen Anwendungsbereich. Wer sich mit der Frage der gesellschaftlichen Auswirkung von Scoringverfahren befassen will, fokussiert mit alleiniger Auswahl der SCHUFA als Kampagnenziel objektiv das falsche Unternehmen und ignoriert, dass es weitaus größere und im Sinne der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Relevanz einflussreichere Marktteilnehmer gibt.

Warnung vor Herausgabe der SCHUFA-Datenübersicht

Die SCHUFA warnt – ebenso wie Daten- und Verbraucherschützer – die Verbraucher regelmäßig davor, die Datenübersicht nach §34 Bundesdatenschutzgesetz an einen Dritten weiterzugeben. Denn wer die Datenübersicht einer anderen Person in der Hand hat, kann die darin enthaltenen Informationen auch jederzeit missbräuchlich verwenden oder gar für betrügerische Zwecke nutzen.

Die Datenübersicht enthält persönliche und schützenswerte Daten wie zum Beispiel: Kreditverträge, Bankkontoinformationen, Kreditkarteninformationen, Anfragen von Unternehmen, bei denen man auf Ratenzahlung oder Rechnung eingekauft hat und ggf. auch Informationen zu Zahlungsstörungen. Deswegen ist die SCHUFA schon von Gesetzes wegen zu höchsten Anforderungen an den Schutz dieser Daten verpflichtet.

Diese Informationen gehen einen Dritten schlicht nichts an, denn der unbefugte Leser erhält sofort alle Informationen, die notwendig sind, um z.B. im Internet betrügerisch einzukaufen oder sich als jemand auszugeben, der er gar nicht ist.

Vor diesem Hintergrund ist es fragwürdig, wenn die Initiative „OpenSCHUFA“ Verbraucher dazu aufruft, ihre besonders schützenswerten Informationen einzusenden, zumal sich die Frage stellt, inwieweit überhaupt die notwendigen Vorkehrungen für Datenschutz und Datensicherheit der eingesandten Daten getroffen worden sind.

Fakten im Überblick: Die SCHUFA nützt, agiert transparent, rechtskonform und nachvollziehbar

Die SCHUFA trägt mit ihren Auskünften zur Sicherheit des Kreditsystems bei, hilft Betrug zu vermeiden und Verbraucher vor Überschuldung zu schützen. Ein funktionierendes Verbraucherkreditsystem in Deutschland sichert Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze und die Steuereinnahmen des Staates. 53,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts entfallen auf den privaten Konsum. Dieser ist zunehmend kreditfinanziert.

  • Das Kredit-Scoring der SCHUFA ermöglicht dem Verbraucher, Vertragsabschlüsse einfach, schnell und kostengünstig abzuwickeln.
  • Beim Scoring handelt es sich um ein objektiviertes Verfahren, d.h. es werden nur solche Informationen verwendet, die nach dem Gesetz für die Berechnung von Kreditscores zulässig sind und weist diese dem Verbraucher gegenüber transparent auf der Datenübersicht nach §34 Bundesdatenschutzgesetz aus.
  • Die SCHUFA speichert insgesamt 864 Millionen positive und negative Daten zu 67,5 Millionen natürlichen Personen und 5,3 Millionen Unternehmen.
  • Zu über 90 Prozent der gespeicherten natürlichen Personen liegen ausschließlich positive Informationen vor.
  • Die SCHUFA bearbeitet 144,1 Millionen Anfragen und Meldungen im Jahr. Jeden Tag werden im Schnitt über 390.000 Vorgänge bearbeitet.
  • Die SCHUFA erhebt selbst keine Daten. Die SCHUFA speichert (dokumentiert) lediglich bonitätsrelevante Informationen, die sie von ihren Vertragspartnern oder aus öffentlichen Verzeichnissen erhält sowie solche Personendaten, die für eine Identifizierung des Verbrauchers erforderlich sind. Daten wie Nationalität, Religion oder Gesundheitsdaten speichert die SCHUFA nicht.
  • Negativmerkmale sind bei der SCHUFA nur zu Personen gespeichert, die bereits als säumige Zahler aufgefallen sind, d.h. sie sind trotz mehrfacher Mahnung einer Zahlungsverpflichtung nicht nachgekommen. Diese Informationen erhält die SCHUFA von den ihr angeschlossenen Vertragspartnern, Inkassounternehmen oder aus staatlichen Verzeichnissen.
  • Der Verbraucher bestimmt durch sein eigenes Handeln, ob er auch weiterhin Kredite bekommt. Säumige Zahler als uninformierte „Opfer“ von Auskunfteien darzustellen, weil sie in ihren Konsum- und Kreditmöglichkeiten eingeschränkt seien, ist nicht nur ein Vertauschen von Ursache und Wirkung, sondern entspricht zudem nicht den gesetzlichen Informationspflichten bei der Speicherung von Negativmerkmalen.
  • Die Zuverlässigkeit des SCHUFA-Verfahrens wird bestätigt durch die hohe Rückzahlungsquote von 97,8 Prozent aller bei der SCHUFA gespeicherten Verbraucherkredite. Obwohl in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der gespeicherten Verbraucherkredite um mehr als 50 Prozent gestiegen ist, blieb die Rückzahlungsquote konstant auf diesem hohen Niveau.

SCHUFA erfüllt schon heute vollständig die Transparenzanforderungen

  • Der Verbraucher erhält mit der Datenübersicht gemäß §34 Bundesdatenschutzgesetz Auskunft über alle zu seiner Person gespeicherten Daten. Der Verbraucher ist dadurch in der Lage, die Grundlage der Bewertung zu überprüfen und etwaige Fehler korrigieren zu lassen.
  • Die Ausgestaltung der Selbstauskunft der SCHUFA wird regelmäßig und detailliert mit der zuständigen Datenschutzaufsichtsbehörde abgestimmt und folgt den gesetzlichen Anforderungen. Bei einem Vergleich der Datenübersichten durch die Stiftung Warentest hat die Datenübersicht der SCHUFA das Gesamturteil „gut“ erhalten und wurde mit Abstand Testsieger.
  • Als einzige Auskunftei Deutschlands hat die SCHUFA ihre Scoreverfahren inkl. der verwendeten Variablen nicht nur der zuständigen Datenschutzbehörde, sondern 2010 auch gegenüber den Datenschutzbeauftragten aller Bundesländer und des Bundes offen gelegt. Die Berechnungsmethode selbst ist nach Urteil des BGH vom 28.1.2014 jedoch nicht gegenüber der Allgemeinheit offenzulegen.
  • Die Offenlegung des Verfahrens gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit würde auch dem Missbrauch Tür und Tor öffnen. Denn wer, wenn nicht derjenige, der das Verfahren zu seinen Gunsten manipulieren möchte, kann neben den Behörden ein Interesse an den Details der Berechnungsmethode haben?
  • Das von der SCHUFA verwendete Verfahren wird regelmäßig wissenschaftlich, beispielsweise durch das Statistische Beratungslabor des Instituts für Statistik an der Ludwig-Maximilian-Universität in München oder durch das Mathematische Institut an der Universität Bayreuth, überprüft und für aussagekräftig befunden. Die zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde, der Hessische Datenschutzbeauftragte, lässt sich die Ergebnisse der Begutachtungen stets vorlegen und prüft diese.
  • Insofern entsteht auch keine Schutzlücke, da die Aufsichtsbehörde als „Treuhänder” beider Seiten fungiert und sowohl die Korrektheit der Berechnungsmethode gewährleistet als auch Verfahren vor allgemeiner Offenlegung und damit der Missbrauchsgefahr schützt.

Wie nur wenige Unternehmen oder Behörden in Deutschland ermöglicht es die SCHUFA dem Verbraucher, auf transparente und einfache Art und Weise umfassend Informationen über die zu seiner Person gespeicherten Daten zu erhalten bzw. eine Datenübersicht zu bestellen. Ebenso gibt es nur wenige Unternehmen, die derartig eng beaufsichtigt und kontrolliert werden wie die SCHUFA.

SCHUFA offen für einen fairen und transparenten Dialog

Wer sich mit der Auswirkung der Relevanz des Kredit-Scorings befassen möchte – wie das auch andere Studien bereits getan haben – muss sich kenntnisreich dem gesamten Markt oder zumindest dessen wichtigen Akteuren widmen, will er sich nicht dem Vorwurf einer lediglich einseitigen, interessensgeleiteten und mit dem Risiko der Irreführung behafteten Kampagne ausgesetzt sehen. Zudem muss sich jeder der Verantwortung für sein Handeln bewusst sein.

Die SCHUFA steht einem fairen und konstruktiven Diskurs offen gegenüber, erwartet aber auf Seiten der Initiatoren ebenso einen transparenten, die Fakten berücksichtigenden Umgang mit dem Thema Kredit-Scoring und seiner Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland.