Mann stiehlt Geldbörse

15.10.2019

#GemeinsamGegenBetrug: Was Opfer von Identitätsmissbrauch tun sollten

Identitätsmissbrauch? Sowas passiert mir doch nicht! So denken viele. Die Realität sieht jedoch anders aus. Laut dem Digitalbarometer 2019 des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK) hat jeder Vierte in Deutschland schon einmal Erfahrung mit Internetkriminalität gemacht. Da viele Menschen nach wie vor sorglos mit ihren Daten im Internet umgehen, werden immer mehr Opfer von virtuellem Identitätsdiebstahl. Aber auch offline kann es Verbraucher treffen, z.B. wenn ganz klassisch das Portemonnaie gestohlen wird.

Betrugsprävention

Wie Betrüger beim Identitätsdiebstahl vorgehen und wie sie ihre Methoden stetig weiterentwickeln, erklärt Erik Manke im Interview. Er ist Vertreter der Gewerkschaft der Polizei des Landesverbands Hamburg im Fachbereich Kriminalpolizei.

Wie genau kommen die Daten in die Hände der Betrüger?

Identitäten werden auf unterschiedlichste Art und Weise ausgespäht und dann benutzt. Die Methoden der Betrüger reichen vom Phishing über andere Malesoftware bis zum klassischen Taschendiebstahl. Beim Diebstahl des Portemonnaies entnimmt der Täter neben dem Bargeld auch die Kreditkarte, Debitkarte und den Bundespersonalausweis. Nach dem ersten Schreck über den Verlust lassen die meisten ihre Kreditkarte sperren, was auch richtig und wichtig ist. Doch auch der Personalausweis ist für Betrüger eine gefundene Beute, die sie für ihre kriminellen Handlungen nutzen.

Was genau passiert mit dem gestohlenen Bundespersonalausweis bzw. den gestohlenen Daten?

Oftmals dient der Taschendiebstahl der Beschaffungskriminalität. Der Täter gibt den Personalausweis also an einen weiteren Täter weiter. Dieser nutzt die Daten, um im Internet teure Waren zu bestellen. In der Regel dauert es drei bis fünf Tage, bis die ersten Bestellungen mit falscher Identität getätigt werden. Diese Art von Betrug wird Warenkreditbetrug genannt.

Wie funktioniert Warenkreditbetrug mit dem Personalausweis?

Der Betrüger bestellt bei unterschiedlichen Firmen Ware und gibt meistens im Rahmen der Bestellung an, dass die Ware um die Mittagszeit geliefert werden soll. Dies machen die Betrüger wahrscheinlich unter der Annahme, dass das Opfer um diese Zeit nicht zu Hause ist. Der Täter stellt sich vor die Haustür des Opfers und fängt das Paket ab, indem er dem Zusteller den gestohlenen Personalausweis sowie eine gefälschte Vollmacht zur Entgegennahme des Pakets vorhält. Die Warenrechnung ist entweder im Paket oder wird an eine vom Betrüger erstellte und überwachte E-Mail-Adresse versendet. Das Opfer erfährt in der Regel erst nach ca. vier Wochen von den Betrugstaten, sobald die ersten Mahnungen mit der Post kommen.

Der Diebstahl ist für die Opfer schon stressig, jetzt kommen auch noch Mahnungen dazu. Wie gehen die Opfer damit um?

Die Opfer leiden sehr darunter. Sie sind ratlos, was sie gegen die Betrüger unternehmen können. Sie werden meist erst misstrauisch, wenn es zu spät ist. Zahlreiche Besuche bei der Polizei, um den Betrug anzuzeigen und eine Bestätigung dafür zu erhalten, sowie mühselige Telefonate mit den ebenfalls betrogenen Online-Händlern und der Versicherung sind die Folgen.

Was können Menschen tun, wenn sie merken, dass sie Opfer von Betrug geworden sind?

Es gibt einige Möglichkeiten, wie sich Opfer wehren können. Sie gehen sowieso zur Polizei, um den Diebstahl des Portemonnaies aufzugeben. Wünschenswert wäre es, wenn die Polizei eine Datenweitergabe-Einwilligung von den Opfern einholen würde und die Daten zu Präventionszwecken weitergeben würde. Die Gewerkschaft der Polizei Hamburg ist gerade dabei, dies auf den Weg zu bringen. Bis das umgesetzt sein wird, dürfte es aber noch ein wenig dauern.

Gewerkschaft der Polizei

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist die größte Polizeigewerkschaft der Welt. Sie vertritt die beruflichen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, ökologischen, sozialen und kulturellen Interessen der Beschäftigten und ehemals Beschäftigten der Polizei. Dabei beteiligt sie sich auch an gesellschaftlichen und politischen Diskussionen. Bedeutende Themen sind u.a.: Kriminalpolitik, Kriminalitätsursachen, Verkehrspolitik, Entwicklung des Strafrechts, Organisation und Aufgaben der Polizei und die polizeiliche Aus- und Fortbildung.

Man kann aber bereits jetzt als Opfer eines Identitätsdiebstahls eine Einmeldung bei der SCHUFA tätigen. Das geht recht einfach und schnell auf der Homepage der SCHUFA. Die SCHUFA meldet die gemeldeten Daten an die Unternehmen weiter. Diese wissen um den Betrugsverdacht und können reagieren (z.B. Warenversendungen stornieren oder Bestellungen nicht annehmen).

Viele Firmen greifen bereits auf diesen Daten-Pool zurück. Der Vorteil des Opfers: Es erhält wesentlich weniger Mahnungen. Wenn sich diese Präventionsmaßnahme stärker rumsprechen würde und mehr Unternehmen auf den Daten-Pool zurückgreifen würden, könnte diese Art des Betrugs versiegen.

Hilfe für Opfer von Identitätsbetrug

Kriminelle Aktivitäten mit gestohlenen Identitäten nehmen zu: Die SCHUFA bietet einen kostenlosen Service für Personen, die bereits Opfer von Identitätsmissbrauch geworden sind. Diese können sich bei der SCHUFA aktiv melden und mit einem speziellen Eintrag vor Wiederholungsbetrug schützen lassen. Wie die Einmeldung funktioniert, lesen Sie hier.