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#GemeinsamGegenBetrug: Betrug vermeiden im Firmenkundengeschäft

Nicht nur im Geschäft mit Privatkunden ist Betrug für Unternehmen ein Problem, auch im Firmenkundengeschäft sind Kriminelle aktiv und nutzen Firmen für ihre betrügerischen Handlungen an anderen Unternehmen. Welche Betrugsarten sich im B2B-Geschäft unterscheiden lassen und welche typischen Maschen Kriminelle im B2B-Fraud einsetzen, erklärt Grit Bantow. Sie ist Leiterin des Center of Competence B2B bei der SCHUFA Holding AG.

Frau Bantow, welche Betrugsmaschen nutzen Betrüger im B2B-Bereich?

Bantow:Im Firmenkundengeschäft treten Betrüger zum Beispiel als Gewerbetreibende auf, um sich Waren oder Dienstleistungen zu erschleichen. Hier ähneln die Betrugsarten denen, die auch von Privatpersonen begangen werden, also zum Beispiel Unterschlagungen, Mehrfachfinanzierungen, Dokumentenbetrug und Identitätsbetrug. Oder aber der Betrug erfolgt mittels einer juristischen Person, also zum Beispiel mit handelsregisterlich geführten Firmen wie GmbHs oder AGs, hier sind zum Beispiel der Stoß- und Mantelbetrug zwei gängige Betrugsmaschen.

Zwei häufige Betrugsarten im B2B sind also Stoß- und Mantelbetrug. Wie lassen sich diese charakterisieren?

Bantow: Beim Stoßbetrug bestellen Betrüger zunächst kleine Mengen hochwertiger Produkte und akzeptieren hierbei ohne Verhandlungen den angebotenen Preis. Dies wird meist mehrere Male wiederholt, sodass sie bei dem Ziel-Unternehmen eine positive Zahlungshistorie aufbauen. Dann folgt ein deutlich größerer Auftrag mit einer höheren Rechnungssumme und der Bitte um die Gewährung eines Zahlungsziels. Währenddessen werden die gelieferten Waren bereits gewinnbringend weiterverkauft. Gezahlt wird nun nicht mehr. Versuche, die offene Forderung einzutreiben oder zumindest die gelieferten Waren zurück zu erhalten, bleiben zumeist erfolglos. Die Betrüger sind untergetaucht und die Ware unauffindbar.

Beim Mantelbetrug nutzen Betrüger eine bereits bestehende GmbH, die sie für wenig Geld übernommen haben, weil z.B. kein Nachfolger bereit stand. Dadurch täuschen sie bei der Kreditprüfung eine etablierte Firma vor. Es werden dann hochwertige Güter bestellt und meist ins Ausland verschoben. Bezahlt werden die Waren nicht. Bei dem Versuch, die Forderungen einzutreiben, stößt man nur noch auf die wertlose „Mantel-GmbH“, die dann insolvent ist. Die Betrüger sind nicht mehr auffindbar, häufig verwenden sie zudem eine gefälschte Identität. Das bedeutet vor allem Zahlungsausfälle und wirtschaftliche Einbußen für Unternehmen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmen im Risikomanagement?

Bantow: Für Unternehmen ist es erfolgsentscheidend, sich vor Zahlungsausfällen zu schützen. Gleichzeitig wollen sie ihre Kunden nicht durch langwierige Risikoprüfungen an einem zügigen und einfachen Geschäft hindern, denn gerade Firmenkunden erwarten schnelle Geschäftsabschlüsse und sind den Kauf auf Rechnung gewohnt. Dies stellt das Risikomanagement in Unternehmen vor große Herausforderungen.

Um den Spagat zwischen der erforderlichen Risikoprüfung zur Vermeidung von Zahlungsausfällen einerseits und komfortablen Prozessen für einfache Geschäftsabschlüsse für die Kunden zu meistern, brauchen Unternehmen ein Risikomanagement, das schnell valide Informationen zu Geschäftspartnern liefert. Doch gerade im B2B-Geschäft sind manuelle Recherchen zu Kunden, oder auch das Einholen von Selbstauskünften noch weit verbreitet. Dies ist sehr zeitaufwändig und führt meist zu sehr subjektiven Ergebnissen.

  • Die SCHUFA verfügt über Informationen zu 6 Millionen registerlich geführten Unternehmen, aber auch zu Kleingewerbetreibenden, Selbstständigen und Non-Profit Unternehmen.
  • Die SCHUFA-Personendatenbank enthält bonitätsrelevante Informationen zu 67,7 Millionen Privatpersonen.
  • Die Grundlage für den SCHUFA-Datenpool bilden Informationen aus exklusiven SCHUFA-Quellen, öffentlichen Registern und Daten von Spezialdatenanbietern.
  • Mit dem RiskManagementIndex bietet die SCHUFA ab sofort eine erweiterte Entscheidungsgrundlage bei der Risikobewertung im B2B-Geschäft. Der Index betrachtet die Häufigkeit von bestimmten Unternehmensereignissen innerhalb der letzten 36 Monate und vergleicht diese mit denen ähnlicher Unternehmen. Damit ist der SCHUFA-B2B-RiskManagementIndex eine wirkungsvolle Ergänzung der SCHUFA-Wirtschaftsauskünfte und kann bei der möglichen Erkennung von Bonitätsrisiken oder Betrugsmustern (bspw. Mantelbetrug) unterstützen.

Wie schaffen Unternehmen diesen Spagat zwischen effektivem Risikomanagement und kundenfreundlichen Prozessen?

Bantow: Objektive Informationen müssen digital und in Echtzeit zur Verfügung stehen und ohne Medienbruch in die Prozesse integrierbar sein. Neben der „klassischen“ Bonitätsprüfung werden Lösungen zur Betrugsprävention auch im B2B-Geschäft immer wichtiger.

Außerdem gilt es, regulatorische Anforderungen zu erfüllen: Unternehmen müssen wissen, mit wem sie Geschäfte machen. Dazu gehören neben Informationen zum genauen Geschäftsgegenstand des anfragenden Unternehmens auch Informationen zu den Personen, die hinter einem Unternehmen stehen.

Neben objektiven Wirtschaftsauskünften und einem Bestandskunden-Monitoring spielt die Sensibilisierung der Mitarbeiter ebenfalls eine entscheidende Rolle. Diese sollten unter anderem auf Geldwäsche-Indikatoren achten, zum Beispiel ob es unerwartete Wechsel des Geschäftsgegenstands oder in der Unternehmensführung gibt.

Wie unterstützt die SCHUFA Unternehmen im Firmenkundengeschäft bei Betrugsprävention und Risikomanagement?

Bantow: Mit dem Risk Management Index bieten wir Unternehmen eine Lösung speziell zur Betrugsprävention im Firmenkunden-Geschäft. Der Index liefert Hinweise zu relevanten Änderungen und Ereignissen zu einem Unternehmen – häufige Wechsel in der ersten Führungsebene in Kombination mit Änderungen im Geschäftszweck können zum Beispiel ein Hinweis auf Mantel-Betrug sein.

Die SCHUFA stellt ihren Vertragspartnern objektive Wirtschaftsauskünfte digital zur Verfügung. Mit diesen Informationen können Unternehmen auch im Firmenkundengeschäft schnelle, sichere Geschäftsentscheidungen treffen. Hiervon profitieren Unternehmen und Kunden gleichermaßen.

Hinzu kommt, dass bei kleinen Firmen und Gewerben die finanzielle Situation der Unternehmensführung die Finanzen des Unternehmens erheblich beeinflussen kann. Die SCHUFA kann unter bestimmten Voraussetzungen Informationen aus der Unternehmensdatenbank mit Informationen zur Unternehmensführung aus der SCHUFA-Personendatenbank kombinieren. Das ist eine Leistung, die so nur die SCHUFA anbietet. So können auch Gewerbetreibende, Kleinunternehmer und Start-Ups zuverlässig bewertet werden.