Die Experten Tobias Weber und Tobias Eiss erklären im Podcast die ClariLab Lösung zur Betrugsprävention bei Corona-HIlfen

30.09.2020

#GemeinsamGegenBetrug: Wie ClariLab Betrug bei Corona-Hilfen verhindert

Die Covid-19 Pandemie hält weiter an. Um die Wirtschaft in Deutschland zu unterstützen, sicherten Bund und Länder bereits zu Beginn der Pandemie Soforthilfen und Förderkredite zu. Was auf den ersten Blick gut gedacht war, bietet auch Einfallstore für Betrüger. Eine schnelle, aber auch sichere Validierung von Kreditanträgen im Rahmen des KFW-Schnellkreditprogramms ist deshalb nötig, um Auszahlungen schnell vorzunehmen, aber auch den Missbrauch von Steuergeldern zu verhindern. Wie die ClariLab, ein gemeinsames Joint Venture der fino create GmbH und SCHUFA Holding AG, die Banken im Kampf gegen Betrug und der finanziellen Absicherung vieler Unternehmen in Deutschland unterstützen konnte, darüber sprachen wir mit Tobias Weber und Tobias Eiss, designierte Geschäftsführer der ClariLab GmbH & Co.KG.

Herr Weber, warum waren die Banken besonders in diesem Zeitraum anfällig für Betrüger?

Tobias Weber: Die Besonderheit der Corona-Soforthilfe und des KFW-Schnellkredits – als Maßnahmen des Corona-Rettungsschirms der Bundesregierung – war, dass diese nicht rückzahlungspflichtig bzw. eine Haftungsfreistellung von 100 Prozent hatten. Dies bedeutet für die Unternehmen, dass die Regierung die Haftung übernimmt, falls dieser Kredit vom jeweiligen Unternehmen nicht zurückgezahlt werden kann. Das war natürlich für viele sehr attraktiv. Die große Nachfrage führte zu Überlastungen und Stau innerhalb der Prüfverfahren, der Druck stieg. Die Banken wurden einfach überrollt, vom Zuschuss-Begehren der einzelnen Unternehmen. Diese „Lücken“ nutzten Betrüger für sich.

Wie genau gingen die Betrüger vor?

Tobias Eiss: Unternehmen, die bereits schon vor Corona Liquiditätsengpässe hatten oder sogar schon insolvent waren, wollten diese Situation natürlich nutzen, um Ihre Fehler zu vertuschen. Andere nutzen die Chance und gründeten erst Unternehmen, um Zuschüsse und Kredite zu erhalten. Es gab aber auch Fälle von Identitätsdiebstahl: Hier bauten Betrüger sogar Webseiten von Kreditinstituten nach, um an die Daten der Antragssteller zu kommen und in ihrem Namen zu beantragen.

Dabei müssen sich Betrüger nicht mal so viel Mühe machen, oder Herr Weber?

Tobias Weber: In kleineren Ortschaften waren auf einmal tausende von Unternehmen eingetragen. Obwohl die Orte nur 100 Einwohner hatten. Das wurde schlichtweg nicht überprüft. So gaben sich viele Privatpersonen als Unternehmer aus. Oder auch bei den Mitarbeiterzahlen wurde manipuliert, da die Höhe der Mitarbeiterzahl ein Indikator für die Höhe der Fördergelder darstellte. So hatte zum Beispiel ein Betrieb anstatt zwei Mitarbeiter auf einmal elf Angestellte. Die Banken hatten gar nicht die Möglichkeit alle Angaben zu überprüfen.

Was haben die Banken unternommen als klar war, dass es Missbrauch bei den Soforthilfen gab?

Tobias Weber: Die Banken haben einiges versucht: Teilweise wurden die Websites wieder deaktiviert und es wurde versucht, manuell entgegenzuwirken. Doch bei der Flut von Anträgen war dies gar nicht möglich.

Das haben wir erkannt und mit unserem bestehenden Fachwissen rundum Lösungen im Bereich KYC (eng. know your customer) Hilfe angeboten. Zusammen mit dem Bund und der KFW haben wir dann schlussendlich die B2B-Förderkreditauskunft entwickelt. Die Besonderheit war, dass wir damit rechnen mussten, möglichst vielen Nutzern die Lösung in kürzester Zeit zur Verfügung stellen zu können. Das bedeutet eine schnelle, aber saubere Entwicklung des Prototypen, den wir gemeinsam mit den Kunden weiterentwickeln. Über unser Kernprodukt KYCnow war dies aber kein Problem, weil wir damit die Möglichkeit haben, verschiedene Services bedarfsgerecht zu verbinden. So konnten wir den Banken kurzfristige Unterstützung bieten.

Wie genau funktioniert die B2B-Förderkreditauskunft für Banken?

Tobias Eiss: Die Auskunft ist eine Kombination aus bereits bestehenden SCHUFA-Produkten aus den Bereichen Geldwäsche- und Compliance Service. So können wir zum Beispiel betreffende Personen auf allen PEP- u. Sanktionslisten abgleichen.

Außerdem enthält die Auskunft eine Existenzprüfung und die relevanten Personen werden mit der Betrugsdatenbank der SCHUFA abgeglichen.

Die SCHUFA-Förderkreditauskunft

Die SCHUFA-B2B-Förderkreditauskunft ermöglicht durch eine intelligente, digitale Vernetzung der erforderlichen Informationen über eine Plattformlösung die Validierung in Echtzeit. Auszahlungen an berechtigte Antragsteller können somit zügig erfolgen. Zugleich unterstützt die digitale Plausibilisierung bei der Verhinderung von Betrug und schützt somit Staat und Steuerzahler vor dem Missbrauch von Fördergeldern. Die Bereitstellung der zusammengeführten Informationen erfolgt über die digitale KYCnow-Plattform, die von der ClariLab GmbH & Co. KG betrieben wird.

Über ClariLab

Die ClariLab ist eine gemeinsame Gesellschaft der SCHUFA Holding AG und der fino create GmbH. Mit der Gründung im April 2020 erweitern SCHUFA und fino ihr strategisches Geschäftsfeld Compliance und möchten gemeinsam ihre B2B-Aktivitäten ausbauen. Kern ist eine plattformbasierte Lösung, auf der verschiedene Services bedarfsgerecht verbunden werden können.

Warum konnte die SCHUFA-B2B-Förderkreditauskunft Ihrer Meinung nach so schnell umgesetzt werden?

Tobias Eiss: Mit der ClariLab und unserem Kernprodukt KYCnow sind wir in der Lage, verschiedenste Services bedarfsgerecht miteinander zu verbinden. Dabei kommen die Expertisen von SCHUFA und fino perfekt zum Tragen: Denn wir haben auf der einen Seite fino als Schnellboot für Softwareentwicklung und auf der anderen Seite die SCHUFA als vertrauenswürdigen Partner am Markt mit Daten zu über 67,9 Millionen natürlichen Personen und 6 Millionen Unternehmen. Mit dieser Mischung gelingt es uns schnell, qualitativ hochwertige Produkte bereitzustellen.

Wie sieht die Zukunft der ClariLab aus?

Tobias Eiss: Die ClariLab wurde gemeinsam von SCHUFA und fino gegründet, um die Verhinderung von Finanzkriminalität und Geldwäsche voranzutreiben. Mittlerweile versorgen wir 900 Banken mit der KYCnow-Plattform. Nun geht es darum, Daten zu skalieren sowie weitere nationale, aber auch internationale Quellen anzuschließen, um mehr Produkte anbieten und neue Kundenportfolios erschließen zu können.

#GemeinsamGegenBetrug

Unter diesem Motto bringt die SCHUFA Fraud-Experten aus verschiedenen Bereichen für diese Beitragsreihe zusammen, um aus unterschiedlichen Perspektiven zu erläutern, wie gegen Online-Betrug vorgegangen werden kann. Es sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sich sowohl Verbraucher als auch Unternehmen wirksamer schützen können. Für eine konkrete Betrugsprävention setzen Lösungen wie der SCHUFA-FraudPool für Kreditinstitute und der SCHUFA-FraudPreCheck für den E-Commerce zudem erfolgreich auf den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit.