SCHUFA-Schriftzug am Eingang der Geschäftszentrale in Wiesbaden.

01.12.2020

Standpunkt

Ein Kommentar von Ingo A. Koch Leiter Media Relations, Kommunikation und Online Marketing der SCHUFA Holding AG

Liebe Leserin, lieber Leser,

alles kann von zwei Seiten betrachtet werden. Insofern verwundert es nicht, dass es auch Kritik am Produkttest von SCHUFA CheckNow gibt. Der Blick ins Konto wird nun mal gerade hierzulande – übrigens im Unterschied zu vielen anderen Ländern – besonders kritisch betrachtet. Solange die Diskussion darüber sachlich verläuft, ist ja auch alles in Ordnung.

In vielen Berichten und Diskussionen zum Thema spielen jedoch Objektivität und leicht nachprüfbare Fakten keine Rolle mehr. Vielmehr noch: Die Art und Weise der Berichterstattung über einen Produkttest (!) der SCHUFA und der Weiterdreh in den Kommentaren führt mittlerweile dazu, dass unser Unternehmen und Menschen, die für uns arbeiten, beschimpft, beleidigt und sogar persönlich bedroht werden und wir uns offenen Aufrufen zur Gewalt gegen uns ausgesetzt sehen.

Eine kontroverse Diskussion ist gut und explizit gewünscht, solange sie konstruktiv bleibt und bestehende Regeln respektiert. Wir leben zum Glück in einem Land, indem die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung ein Grundpfeiler unser freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist. Sie ist ein hohes Gut. Aber diese Freiheit bedeutet zugleich auch Verantwortung, denn wie fragil sie ist, sehen wir in anderen Ländern. Es wundert uns schon, dass selbst krasseste Hass-Kommentare in den Kommentarspalten und Social Media Timelines – auch und gerade des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – stehen bleiben dürfen.

Europäische Finanz-Startups, deren Geschäftsmodell auf Analyse und Speicherung persönlicher Kontodaten von Verbrauchern basiert, werden von den selben Publikationen als „innovativ“ gefeiert, die uns nahezu zeitgleich massiv kritisieren. Dass das von der SCHUFA getestete Angebot von anderen Anbietern schon längst täglich im Markt eingesetzt wird, scheint irrelevant zu sein. Dass es sich um eine Dienstleistung handelt, die von Verbrauchern freiwillig und proaktiv beauftragt werden muss, geht fast unter. Zweck und Nutzen für Verbraucher werden ausgeblendet. Unsere klare Aussage, dass wir keine irrelevanten, sensiblen Daten speichern und es auch keinerlei Einfluss auf die Bonitätsbewertung hat, wenn ein Kunde unser Angebot nicht nutzt, wird schlicht ignoriert.

Das gilt auch für viele weitere Fakten sowie die Tatsache, dass der Verbraucher völlig transparent nachvollziehen kann, welche Daten die SCHUFA speichert. Dass der Gesetzgeber mit der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 auch detailliertere Bonitätsanalysen für Verbraucher ermöglichen wollte, die – aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten in der Vergangenheit – heute keine Kredite, Produkte oder Dienstleistungen mehr erhalten, spielt in den Berichten, wenn überhaupt, ebenfalls nur eine untergeordnete Rolle.

All das wäre aber zur Einordnung des Themas wichtig gewesen. Besteht nicht gerade in dieser Einordnung die Rolle der meinungsbildenden Medien, anstelle die Berichterstattung durch pseudo-investigative und konstruierte Skandale auf Klickraten und Reichweitengewinn hin auszurichten?

Wer will, kann leicht in Erfahrung bringen, dass bereits zum 13. Januar 2018 in Deutschland die neue Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 in nationales Recht umgesetzt wurde. Wer will, weiß auch, dass die SCHUFA bereits im Dezember 2018 über den Erwerb des BaFin- lizensierten Kontoinformationsdienstleisters finAPI transparent berichtet hat. Wer an einer sachlichen Debatte interessiert ist, darf dies nicht vergessen zu erwähnen und muss sich auch mit den Datenschutzerklärungen anderer Unternehmen auseinandersetzen, die solche Angebote bereits nutzen. Es ist schade, dass all dies ausgeblieben ist. Just heute berichtet der NDR in einem Radiofeature, dass die SCHUFA mit SCHUFA CheckNow etwas (Zitat) „völlig Neues“ plane. Das jedoch ist bei einem objektiven Blick in den Markt schlicht falsch. Immerhin lässt der Beitrag durchblicken, dass es gar nicht um den Kontocheck an sich geht, sondern lediglich um die Frage der darüberhinausgehenden Datenspeicherung nach DS-GVO. Warum erst jetzt?

Wir geben uns keiner Illusion hin. Unser Standpunkt wird „SCHUFA-Hater“ nicht interessieren – geschweige denn, zum kritischen Hinterfragen des eigenen Handelns oder einseitiger Medienberichte anregen. Vielleicht führt die Diskussion aber zumindest dazu, dass sich mehr Menschen über die PSD2 sowie die damit verbundenen Möglichkeiten und Risiken für Unternehmen und Verbraucher informieren.

Die SCHUFA wird den inzwischen beendeten Test jetzt auswerten und analysieren, in wieweit den interessierten Verbrauchern zukünftig ein Angebot gemacht werden kann, um durch bonitätsrelevante Kontodaten ihren Score zu verbessern. Viele Verbraucher und Unternehmen interessieren sich dafür und wollen, dass dies von einer neutralen und kompetenten Instanz wie der SCHUFA umgesetzt wird – und nicht vom jeweiligen (und damit letztlich von unzähligen unterschiedlichen) Unternehmen selbst. Wer ein solches Angebot nicht annehmen möchte, kann es ja – bei der SCHUFA übrigens ohne negative Konsequenzen – ungenutzt lassen.

Den Wunsch der interessierten Kunden nach einer solchen Lösung zu ignorieren wäre genauso falsch, wie die (sachliche) Kritik auszublenden, anstatt aus ihr zu lernen. Beides werden wir berücksichtigen und hoffen, dass eine sachliche Diskussion darüber wieder möglich und von den Medien, ihren Redaktionen und den jeweiligen Herausgebern auch gefördert wird.

Mit besten Grüßen

Ingo A. Koch

Leiter Media Relations, Kommunikation und Online Marketing

SCHUFA Holding AG