In 15 Minuten fürs Leben lernen

Krystian Ciurkot studiert Soziale Arbeit in Ludwigshafen – und entwickelte eine Workshopreihe, mit der er junge Menschen für Finanzthemen sensibilisieren möchte. Dank eines Stipendiums der SCHUFA-Bildungsinitiative WirtschaftsWerkstatt kann er seine Idee nun in die Tat umsetzen. Ein Porträt.

In 15 Minuten kann man viel schaffen. Man kann die Schultasche für den nächsten Tag packen, das Geburtstagsgeschenk für die beste Freundin bestellen oder die Lieblingsklamotten im Kleiderschrank ordnen. Oder man kann in 15 Minuten einiges lernen über Finanzthemen. Darauf setzt Krystian Ciurkot. Der 25-Jährige ist einer der Geförderten des Programms „3 für mehr Finanzbildung“, das die SCHUFA-Bildungsinitiative WirtschaftsWerkstatt ausgeschrieben hat. Dessen Ziel ist es, diejenigen zu unterstützen, die von der Pandemie besonders betroffen sind: Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen. Das Programm fördert, neben sozialen Organisationen und schulischen Einrichtungen, junge Menschen, die sich gesellschaftlich engagieren.

Offenes Konzept für Jugendliche

Ciurkots Idee: Er möchte unter dem Titel „15 Minuten Finanzwissen“ eine Workshopreihe für 12- bis 16-Jährige durchführen, die sie mit Aspekten der finanziellen Bildung in Kontakt bringt und zum Weiterdenken anregt. „Sechs Einheiten habe ich bereits vorbereitet. Dabei geht es um Themen wie Taschengeld, Handyverträge, Ausbildungsgehalt und vieles mehr“, berichtet der Student der Sozialen Arbeit, der im Frühjahr seinen Abschluss macht. „Es soll ein niedrigschwelliges Angebot sein, das vor allem von Interaktion und Austausch lebt.“

Wichtig sei ihm, dass die Jugendlichen ungehemmt Fragen stellen sowie eigene Themen vorschlagen können. Wenn etwa jemand wissen möchte, wie Influencer im Netz Geld verdienen, dann könne die Gruppe auch dieses Thema gemeinsam erarbeiten. Die Teilnehmenden erhalten zudem einen Ordner, in dem sie Workshopmaterialien sammeln und eigene wichtige Unterlagen ablegen können. Eine Hilfe zur Selbstorganisation sozusagen.

Wormser Stadtteilbüros einbezogen

Dass er für die Veranstaltungen je 15 Minuten angesetzt hat, hat einen bestimmten Grund. Ciurkot, der seinen Ausgleich beim Gitarre spielen und Joggen findet, ist seit fünf Jahren pädagogischer Mitarbeiter in den Lernhilfen der Wormser Stadtteilbüros. Hier unterstützt er sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, viele von ihnen mit Migrationshintergrund, bei Hausaufgaben oder Sprachproblemen. Die vorhandenen Strukturen möchte er nutzen und in der jeweils letzten Viertelstunde der Lernhilfe-Treffen seine Workshops ausrichten – sofern die Eltern der Kinder und Jugendlichen zustimmen. „Ich denke, dass 15 Minuten ein guter Kompromiss sind. Einerseits möchte ich die jungen Leute, die ja schon eine komplette Lerneinheit hinter sich haben, nicht überfordern. Andererseits wollte ich aber auch keines dieser extrem kurzen Formate anbieten, die man in sozialen Medien wie TikTok oder YouTube findet.“

25 Prozent der Befragten schätzten laut „W2 Jugend-Finanzmonitor 2020“ ihre eigene Finanzkompetenz als mangelhaft/ungenügend ein. Lediglich 8 Prozent finden sie sehr gut/gut. Die Umfrage wurde von forsa im Auftrag der SCHUFA durchgeführt. Befragt wurden 1.009 Personen zwischen 16 und 25 Jahren.

Dass das Interesse an finanzieller Bildung prinzipiell groß ist, davon ist er überzeugt: „Ich habe die jungen Leute immer als neugierig und wissbegierig erlebt. Sie stellen oft Fragen zu Finanzthemen und die Antworten können wir nun gemeinsam strukturiert erarbeiten.“ Sobald die Lernhilfen wieder als Präsenzveranstaltungen stattfinden, kann es losgehen. Ciurkot, der nach einem langen Schreibtischtag vom Reisen in ferne Länder träumt, hatte zwischenzeitlich mal überlegt, sein Angebot lockdownbedingt ins Internet zu verlagern, aber: „Ich wollte den Teilnehmenden neben Homeschooling und all den anderen derzeit wichtigen digitalen Formaten nicht auch noch Onlineworkshops anbieten. Das wird zu viel.“

Eigene Erfahrung treibt ihn an

Dass Ciurkot sich diesem Thema und dieser Zielgruppe annimmt, liegt unter anderem an seiner eigenen Biografie. Der Wormser stammt aus einer Arbeiterfamilie und ist als Zwölfjähriger von Polen nach Deutschland migriert. Seine Mutter lebte damals schon in Rheinland-Pfalz und holte ihn nach, als sie eine sichere Lebensgrundlage hatte. Das habe ihn geprägt. In einer solchen Situation stehe man Herausforderungen gegenüber, denen auch viele andere Zugewanderte begegnen: „Ich hatte Glück, weil ich immer Menschen hatte, die mich unterstützt haben: Klassenkameraden etwa oder eine Lehrerin, die mir Deutschunterricht erteilte und natürlich auch meine Mutter. Das treibt mich an, selbst ein Wegbereiter für andere zu werden und ist einer der Gründe, warum ich Soziale Arbeit studiere.“

Corona hat finanzielle Problematiken für viele Menschen verschärft. Das gilt besonders für die Situation von Kindern und Jugendlichen. Ich würde mir wünschen, dass wir hier alle zusammen wieder mehr hinschauen.

Krystian Ciurkot, Student und Stipendiat von „3 für mehr Finanzbildung“

Finanzielle Probleme, prekäre Beschäftigungen oder auch das Leben an der Armutsgrenze seien große Themen für Zugewanderte, über die nicht gern gesprochen werde. Das weiß Ciurkot nicht nur aus eigener Erfahrung, sondern auch durch sein Praxissemester, das er zu Beginn des Jahres in der Schuldnerberatung der BASF Stiftung absolviert hat. Corona habe diese Problematiken für viele Menschen noch verschärft: „Das gilt besonders für die Situation von Kindern und Jugendlichen“, sagt er. „Ich würde mir wünschen, dass wir hier alle zusammen wieder mehr hinschauen.“

SCHUFA übernimmt Verantwortung: Die Finanzbildung junger Menschen ist der SCHUFA ein wichtiges Anliegen. Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei übernimmt unabhängig von der Pandemie auch in vielen verschiedenen Handlungsfeldern Verantwortung, etwa für die Umwelt und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

So reduziert ein gezieltes Management bereits seit 16 Jahren stetig den Einfluss der Geschäftstätigkeit auf die Umwelt. Als verantwortungsvoller Arbeitgeber unterstützt die SCHUFA außerdem ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei, Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Dafür wurde sie bereits mehrfach im Rahmen des „audit berufundfamilie“ als familienbewusstes Unternehmen zertifiziert. Einen Überblick über die vielfältigen weiteren Nachhaltigkeitsaktivitäten gibt es hier: https://www.schufa.de/ueber-uns/verantwortung/