Dr. Michael Littger lächelnd im schwarz weiß Portrait

Gemeinsam für ein sicheres Netz – der aktuelle DsiN Sicherheitsindex 2021

Wie schaffen wir ein sicheres und vielfältiges Internet? Mit Deutschland sicher im Netz e.V. gibt es eine Initiative aus Partnern und Mitgliedern, die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland beim sicheren und souveränen Umgang mit der digitalen Welt unterstützt und sich aktiv mit dieser Frage auseinandersetzt. Kürzlich hat der Verein seine Verbraucherstudie, den DsiN-Sicherheitsindex 2021 vorgestellt, der gemeinsam mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie dem Studienpartner KANTAR durchgeführt wurde. Der Sicherheitsindex ist eine Umfrage unter Verbrauchern, welche die digitale Sicherheitslage von Internetnutzenden in Deutschland untersucht. Wie sicher fühlen sich die deutschen User im Netz? Darüber haben wir mit dem Experten und Geschäftsführer der Initiative Deutschland sicher im Netz, Dr. Michael Littger, gesprochen.

Herr Dr. Littger, wie sicher fühlen sich die Deutschen im Netz und wie steht es denn im Allgemeinen um die Sicherheitslage der Verbraucher in Deutschland?

Dr. Michael Littger: Die deutschen Nutzer, die Onliner im Internet, fühlen sich erfreulicherweise wieder sicherer. Bedauerlicherweise muss man aber auch sagen, dass diese höhere Sicherheit zu einer gewissen Sorglosigkeit führt, sodass viele Nutzer sich derzeit unsicherer im Netz bewegen, als sie das tatsächlich schon könnten.

Die digitale Sicherheitslage in Deutschland muss etwas differenziert betrachtet werden. Wir haben erfreulicherweise einen Rückgang bei den tatsächlichen Vorfällen, die Verbraucher bei sich wahrnehmen – trotz Corona, kann man sagen. Auch die Kompetenzen bei den Verbrauchern sind verbessert. Jedoch nutzen die Verbraucher ihr Wissen nicht immer so im Alltag, wie sie das könnten. Das heißt, sie könnten schon sicherer im Netz sein, tun es aber nicht. Das führt dazu, dass wir insgesamt eine Stagnation der Sicherheitslage haben. Im Sicherheitsindex sprechen wir von 62,7 Punkten, was die aktuelle Sicherheitslage ausweist. Das ist um 0,1 Punkte geringer als im letzten Jahr.

Wie genau lässt sich diese Ambivalenz – einerseits das Wissen der User, andererseits der sorglose Umgang im Alltag – erklären?

Dr. Michael Littger: Das liegt – wenn wir mal über alle Verbrauchergruppen hinweg schauen – tatsächlich an einer mangelnden Motivation, dass die User ihr Wissen und ihre Kompetenzen im sicheren Umgang mit dem Internet nicht anwenden. Hier ist das primäre Ziel proaktiv anzusetzen, um die Motivation zu verbessern und die digitalen Kompetenzen zu erweitern.

Worin sehen Sie derzeit die größte Gefahr im Netz?

Dr. Michael Littger: Die Gefahr ist zum einen die Sorglosigkeit, die sich in ganz konkreten Handlungsdefiziten niederschlägt, dem sogenannten Phishing. Diese Angriffsmethode ist Spitzenreiter und stellt eine potenzielle Gefahr dar. Das Perfide an dieser Methode ist, dass Zugangsdaten von Nutzern ausgespäht werden. Wenn ich einmal den Zugang zu einem Konto habe – zu einem Shoppingportal zum Beispiel – dann können natürlich andere auf meine Daten und Aktivitäten zugreifen. Man kann sich für mich ausgeben, meine Identität im Internet annehmen. Das öffnet natürlich Tor und Tür zu Betrug und auch echtem Schaden.

Was können Verbraucher tun, um sich präventiv zu schützen und wie verhalte ich mich, wenn ich bemerke, dass ich Opfer von Phishing oder Identitätsdiebstahl geworden bin?

Dr. Michael Littger: User sollten den gesunden Menschenverstand einsetzen und achtsam agieren. Im konkreten Fall bedeutet dies, keine Zugangsdaten herauszugeben und sich zu vergewissern, dass der Absender seriös ist. Oftmals werden Not- und Stresssituationen ausgenutzt, in denen dann häufig solche Phishing-Angriffe gelingen. Da ist der beste Schutz: Augen auf im Internet. Wenn man Opfer eines Betrugs wurde, also unsachgemäße Abbuchungen auf seinem Konto oder einem Einkaufsportal bemerkt oder Bestellungen, die niemals vorgenommen wurden, gilt es, die Beweise zu sichern. Auch sollte unmittelbar eine Strafanzeige bei der Polizei erstattet werden. Denn das Registrieren einer Straftat hilft den Behörden auf Probleme aufmerksam zu werden und Straftaten zu verfolgen, auch wenn die Aufklärungsquote dieser Taten im Netz leider sehr gering ist.

Einmeldung bei der SCHUFA für Identitätsbetrugsopfer (IDBO)

Hilfe für Opfer von Identitätsdiebstahl: Das Angebotssegment der SCHUFA umfasst einen kostenlosen Service für Betroffene über die Einmeldung von Identitätsbetrug bei der SCHUFA. Die Information, dass Sie Opfer eines Identitätsbetrugs geworden sind, wird Unternehmen, die SCHUFA-Vertragspartner sind, im Falle von neuen Anträgen oder bestehenden Verträgen zu Ihrer Person zur Verfügung gestellt. So können Sie das Risiko verringern, dass Ihre persönlichen Daten weiter für Betrugsversuche verwendet werden. Dabei hat die Einmeldung in den SCHUFA-Datenbestand keinen Einfluss auf Ihre derzeitige oder zukünftige Scoreberechnung.

Herr Dr. Littger, das Fokusthema des diesjährigen Sicherheitsindex 2021 ist die Digitale Identität. Wie viele Menschen haben sich denn schon einmal mit ihrem „Digitalen Ich“ auseinandergesetzt?

Dr. Michael Littger: Mit dem „Digitalen Ich“, also der Gesamtheit unserer digitalen Spuren im Netz, die wir bei verschiedenen Online-Aktivitäten hinterlassen, haben sich bislang nur wenige User auseinandergesetzt. So haben sich fast 40 Prozent der Verbraucher noch gar nicht mit der Thematik befasst und nur ein sehr kleiner Teil, etwa drei Prozent der Onliner, befasst sich generell mit der Frage seiner Identität im Internet.

Digitale Identität

Egal ob unter einem Foto auf Social Media ein Kommentar hinterlassen, per Mausklick ein Geschenk bestellen, oder im Onlinebanking schnell eine Überweisung ausführen – Jede Aktivität im Netz hinterlässt digitale Spuren. Die Gesamtheit dieser Spuren im Netz, die sich miteinander sowie persönlich mit Nutzern verknüpfen lassen, führen zu einer neuen Art von Identität im Netz: dem Digitalen Ich.

Wie setzen Sie sich als Verein Deutschland sicher im Netz ein, um Verbrauchern und Unternehmen konkrete Hilfestellungen im sicheren Umgang mit dem Internet anzubieten?

Dr. Michael Littger: Uns sind drei Dinge wichtig: Zum einen die Aufklärung, das heißt, wir möchten im Alltag der Menschen präsent sein mittels zielgruppenspezifischer Angebote von Vereinen, für Senioren, in Schulen sowie im Berufsumfeld und eben auch vor Ort. Zum anderen ist es bedeutend, dass die Initiative und die Angebote überhaupt wahrgenommen werden. Und letztendlich auch die Zusammenarbeit und Kooperation, wie mit der SCHUFA, wo wir unterstützend mit Informationsmaterial den Verbrauchern zeigen, was sie gegen Internetbetrug tun und wie sie sich präventiv schützen können, aber auch wie sie im Falle eines Angriffes richtig reagieren. Ganz konkret ist hier die SiBa-App zu nennen, unsere regionalen Beratungsstellen oder der Digital-Kompass.

DsiN Projekte:

Das DsiN- Kompetenzzertifikat ist ein Projekt, das ab Anfang 2022 Verbrauchern im Internet mittels einer Art TOEFL-Test, ein Tool für digitale Kompetenzen anbietet. An diesem Projekt wird derzeit mit Unterstützung seitens des Bundesinnenministeriums und DsiN Partnern intensiv gearbeitet. So soll Verbrauchern ein langfristiges Angebot gemacht werden, digitale Kompetenzen zu erwerben und sich vor digitalen Betrugsmaschen zu schützen.

Der Digital-Kompass richtet sich an Engagierte in der Arbeit mit älteren Menschen und unterstützt sie bei der Vermittlung wichtiger digitaler Kompetenzen. Neben Sicherheitswissen und dem Dialog zu aktuellen IT-Themen steht der Erfahrungsaustausch zur verständlichen Vermittlung für Seniorinnen und Senioren deutschlandweit im Mittelpunkt. Internetlotsen in Seniorenbüros, Kirchengemeinden, Senioren-Computerclubs, Volkshochschulen und vielen anderen Einrichtungen erhalten mit dem Digital-Kompass eine Plattform, um sich mit anderen Engagierten deutschlandweit auszutauschen.

Die SiBa-App, das Sicherheitsbarometer, informiert Verbraucher über relevante digitale Sicherheitsbedrohungen wie beispielsweise Spam-Wellen, Viren und Sicherheitslücken innerhalb von Programmen und Diensten. Dabei bietet die App auch umfangreiche Sicherheitstipps und Handlungsempfehlungen. Zur besseren und individuellen Einschätzung der Gefahrenlage erfolgt eine Einteilung nach dem Ampelsystem in Grün, Gelb und Rot.

Was ist denn noch wichtig, um Menschen für Sicherheit im Umgang mit dem Internet zu sensibilisieren?

Dr. Michael Littger: Ganz nach unserem diesjährigen Motto „Gemeinsam für ein sicheres Netz der Vielfalt und Verantwortung“ geht es uns als Deutschland sicher im Netz darum, dass wir unterschiedliche Akteure ermuntern wollen, von der Kompetenzseite über die Netzwerkseite sowie die pädagogisch-didaktische Seite zusammenzuarbeiten. Ein weiterer Aspekt ist die präventive Aufklärung, indem ein Bewusstsein bei den Verbrauchern über Chancen, aber eben auch den sicheren und souveränen Umgang mit Risiken erzielt wird. Ein Großteil des alltäglichen Lebens findet mittlerweile im digitalen Raum statt – egal ob Recherchen, der Austausch mit Familie sowie Freunden oder das Online-Shopping und -banking. Verbraucher sind immer häufiger einer Vielzahl von Gefahren im Netz ausgesetzt und es muss zu einer Selbstverständlichkeit werden sich hiermit auch aktiv zu befassen. Dieser Aufgabe und Vision stellen wir uns gemeinsam mit unseren Partnern aus der Wirtschaft und aus der Zivilgesellschaft. Wir arbeiten bereits erfolgreich mit über hundert regionalen Standorten bundesweit zusammen und wir freuen uns über jeden, der sich nach dem Gespräch heute dazu entscheidet, sich auch hier einzubringen – sei es als Partner, Bürger oder Onliner im Internet.

Den kompletten Bericht des Sicherheitsindex 2021 finden Sie hier.

Weitere Informationen zur Zusammenarbeit mit der SCHUFA finden Sie hier.

#GemeinsamGegenBetrug

Unter diesem Motto bringt die SCHUFA Fraud-Experten aus verschiedenen Bereichen für diese Beitragsreihe zusammen, um aus unterschiedlichen Perspektiven zu erläutern, wie gegen Online-Betrug vorgegangen werden kann. Es sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sich sowohl Verbraucher als auch Unternehmen wirksamer schützen können. Für eine konkrete Betrugsprävention setzen Lösungen wie der SCHUFA-FraudPool für Kreditinstitute und der SCHUFA-FraudPreCheck für den E-Commerce zudem erfolgreich auf den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit.

Weitere Podcasts finden Sie in unserer Audiothek.