Finger tippt auf Handy und es erscheinen diverse Grafiken

Die Bank der Zukunft

Wie verändert sich die Finanzbranche durch neue Technologien, welche Rolle werden Banken in einer digitalen Finanzwelt einnehmen? Joachim Wuermeling, als Mitglied des Vorstandes der Bundesbank u.a. zuständig für Bankenaufsicht und IT, beantwortet im Interview Fragen zu Chancen und Risiken von digitalen Technologien in Finanzinstituten.

Neue, digitale Technologien verändern die Finanzbranche rasant. Werden wir den Menschen auch morgen noch in der Bank benötigen, Professor Wuermeling?

Joachim Wuermeling: Ohne den Menschen lassen sich Advanced Analytics nicht einsetzen. Advanced Analytics verspricht zwar Schnelligkeit, Sicherheit, operative Qualität und damit auch Kosteneffizienz. Die Urteilskraft und das Verständnis für Entscheidungen der Künstlichen Intelligenz: Dafür braucht es Menschen auch in der Bank der Zukunft.

Joachimg Wuermling lächelnd

Prof. Dr. Joachim Wuermeling ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, wo er die Bereiche Banken und Finanzaufsicht, Risiko-Controlling und IT verantwortet. Zuvor war er u.a. Mitglied des Europäischen Parlaments, Staatssekretär im BMWi und leitend im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und im Verband der Sparda-Banken tätig.

Sie beschäftigen sich aktuell mit dem Einsatz von Advanced Analytics – das bedeuteteine zukunftsweisende Nutzung von Daten. Das geht kaum noch ohne den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. KI oder menschliche Intuition – was ist wichtiger für das Banking von morgen?

Joachim Wuermeling: Ich glaube: Das ist kein entweder / oder, sondern es muss heißen: „KI UND menschliche Intuition“! Aber beim Menschen kommt es nicht nur auf Intuition, sondern mindestens genauso stark aufs Know-how an. Daten, KI und Advanced Analytics nutzbar machen: Das ist Aufgabe für das Banking von morgen, und dafür braucht es Expertise.

Die Branche steht beim Einsatz digitaler Technologien häufig noch am Anfang: Wo konkret sehen Sie die Einsatzgebiete von KI – und insbesondere von Advanced Analytics – im Finanzbereich?

Joachim Wuermeling: Die Bankenaufsicht eignet sich besonders gut für den Einsatz von Advanced Analytics beispielsweise bei Nachrichtenanalysen mittels maschineller Textanalyse und innovative Analysen mittels Business Intelligence Software zur Auswertung von bankaufsichtlichen Meldedaten. Derer Einsatz von Supervisory Technologies – innovative Technologien, die Aufsichtsbehörden zur Erfüllung ihrer aufsichtlichen Tätigkeit dienen – stellt ein spannendes Innovationsfeld für uns dar. Im vergangenen Jahr haben wir dazu gemeinsam mit dem TechQuartier Frankfurt die erste „Bundesbank Innovation Challenge“ organisiert. Ziel war es, erstmals Start-Ups mit unseren Bankexperten zusammenzubringen. In dem Zuge sind schon viele, für die Banken- und Finanzaufsicht interessante Prototypen entstanden.

Wenn der Mensch auch in Zukunft im Mittelpunkt der Banken stehen soll: Welche Rolle spielen hier ethische Grundsätze?

Joachim Wuermeling: KI darf für das Leben nach unseren Werten keinen Rückschritt bedeuten. Die Wahrung ethischer Grundsätze ist unabdingbar, um Vertrauen in die neuen Technologien zu schaffen. Entscheidungen die durch KI getroffen werden, müssen fair, vorurteilsfrei sowie transparent sein. Für uns als Bankaufseher gilt: Ethische Grundsätze haben wir als Risiken im Blick. Häufig sind unethische Modelle auch schlechte Systeme: Eine mangelhafte Datengrundlage kann zur Diskriminierung führen, aber auch dazu, dass eine schlechtere Auswahl getroffen wird.

Vervollständigen Sie den Satz: KI wird für die Menschen in Zukunft …?

Joachim Wuermeling: … so selbstverständlich sein wie heute die Nutzung des Smartphones und in allen Bereichen, beruflich wie privat, neue Möglichkeiten schaffen.