Digitales Firmenkundenrating: Trennscharfe Bewertungen und schlanke Prozesse

Die Volks- und Raiffeisenbanken setzen beim Risikomanagement im Geschäft mit Privatkunden und natürlichen Geschäftspersonen seit langem auf Auskünfte und Scores der SCHUFA. Seit 2019 erhalten die VR-Banken auch zu Freiberuflern, Gewerbetreibenden und juristischen Personen Bonitätsinformationen von der Auskunftei. Diese flossen zunächst in das Firmenkundenschnellrating ein und sind jetzt Bestandteil des neu aufgesetzten VR-Ratings Firmenkunden 2.0. Beate Diery und Klaus Hartinger vom Genossenschaftsverband Bayern e.V. (GVB) sprechen über die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die wesentlichen Herausforderungen für das Firmenkundenrating im Bereich Kreditvergabe und Bonitätsprüfung – insbesondere für Genossenschaftsbanken.

Frau Diery, wie schätzen Sie die Auswirkungen der aktuellen Corona-Pandemie, die uns seit etwa eineinhalb Jahren schwer beschäftigt, insbesondere in den Genossenschaftsbanken ein?

Beate Diery, stellvertretende Leiterin Bereich Prüfung Banken, GVB: Die Bayerischen Volks- und Raiffeisenbank sind wirtschaftlich gut aufgestellt – genauso wie die bundesweiten VR-Banken. So konnten wir den betroffenen Kreditnehmern durch diese wirtschaftlich schwierige Zeit sehr gut helfen. Wir haben sehr unkompliziert kurzfristige Tilgungsaussetzungen zur Verfügung gestellt, sodass die Unternehmen und auch die Privatpersonen, die von der Corona-Pandemie wirtschaftlich betroffen waren, sozusagen Luft hatten. Dann gab es auch zahlreiche Angebote von den Förderbanken wie der KfW oder der LFA. Die Ausreichungen dieser Kredite sind über unsere VR-Banken gelaufen. Da haben wir ein großes Instrument zur Verfügung stellen können. Wir haben zudem in der genossenschaftlichen Finanzgruppe ein sogenanntes Moratorium gebildet – ohne Gesetzesform. Hier konnten wir allen Kreditnehmern, die in irgendeiner Art und Weise von der Corona-Pandemie betroffen waren, unkompliziert ein Angebot unterbreiten für eine Zins- und Tilgungsaussetzung.

Gab es Branchen, die in dieser Situation besonders betroffen waren?

Beate Diery: Es ist schon so, dass wir einige Branchen identifizieren können, die besonders stark durch die Pandemie tangiert waren. Hierzu zählen Gastronomie, Hotellerie, die Reisebranche und Ähnliches. Aber es gab auch Branchen, die durch die Corona-Pandemie kaum oder sogar positiv tangiert worden sind. Auch das konnten wir feststellen. Für die Genossenschaftsbanken selbst nehmen wir bislang keine erhöhte Risiko-Situation wahr.

Welche Bedeutungen hat denn insbesondere in solchen Situationen das Risikomanagement?

Klaus Hartinger, Kreditreferent Bereich Prüfung Banken, GVB: Natürlich ist sehr wichtig, dass die Kreditnehmer und auch die Banken letztendlich die aktuelle Risiko-Situation der Kreditnehmer einschätzen. Das sollten nicht nur die Banken machen. Letztendlich müssen die Kreditnehmer auch ehrlich zu sich selbst sein und ihre Risiko-Situation angemessen einschätzen und das Gespräch mit den Banken suchen, um eventuelle Schieflagen rechtzeitig entdecken zu können und auch Lösungen zu entwickeln. Für die Einschätzung gibt es diverse Risiko-Klassifizierungsverfahren, die in jeder Bankengruppe zur Verfügung stehen. Das sind vornehmlich Rating Systeme. In der genossenschaftlichen Finanzgruppe sind die sogenannten VR-Ratingverfahren im Einsatz, die die Ausfallwahrscheinlichkeit abbilden. Wichtig ist aus unserer Sicht der aktuelle Überblick über die wirtschaftliche Situation und insbesondere die Zukunftsaussichten, die Zukunftsfähigkeit und auch die Einschätzung der Kreditnehmer zu erhalten und diese dann auch entsprechend zu würdigen.

Das Kernbankensystem der Genossenschaftsbanken „agree21“

Die in agree21, dem Kernbankensystem der Genossenschaftsbanken, integrierte Schnittstelle zum Bezug von Unternehmensauskünften der SCHUFA ist ein großer Schritt in Richtung Digitalisierung. Die Volks- und Raiffeisenbank können so auf Knopfdruck, digital und in Echtzeit Wirtschaftsauskünfte beziehen. Die Auskünfte liefern den exklusiven Geno-Bonitätsindex für Genossenschaftsbanken und stellen somit eine effiziente Grundlage für die Risikoeinschätzung dar. Um auch bei Bestandskunden stets aktuelle Bonitätsinformationen vorliegen zu haben, ist zudem ein Monitoring entscheidend, das Kreditinstitute frühzeitig über Veränderungen informiert. Auch dieses kann digital über agree21 bezogen werden.

Die neuen Trends der Digitalisierung in der Bankenwelt sind Online-Prozesse, wie z.B. digitale Antragstrecken. Wie sind die bayerischen Genossenschaftsbanken insbesondere im Firmenkundengeschäft dahingehend aufgestellt?

Beate Diery: In puncto Digitalisierung sind die Bayerischen Kreditgenossenschaften in den letzten Jahren deutlich vorangekommen. Einerseits durch den Margen-Druck, der die letzten Jahre vorherrscht. Wir haben Negativzinsen – teilweise auch auf Einlagen. Und auch die Zinssituation im Kreditbereich ist moderat. Auf der anderen Seite haben wir das Online-Banking permanent ausgebaut. Unsere Banken haben sich mit den Prozessen, unter anderem auch für die Kreditgewährung, intensiv beschäftigt und in diesem Zuge entsprechende Möglichkeiten für das Online-Banking zur Verfügung stellen können. Also ich denke, was den Punkt Digitalisierung und die damit verbundenen Prozesse angeht, sind wir inzwischen sehr gut aufgestellt.

Klaus Hartinger: Vielleicht ergänzend hierzu noch die Information, dass wir zusammen mit unserem IT-Dienstleister natürlich bereits erste digitale Produkte entwickelt haben, die jetzt von den Häusern auch genutzt werden können, sofern diese digitalen Produkte in deren Vertriebskonzepte passen. Insofern nimmt auch im genossenschaftlichen Bereich der digitale Zug weiter an Fahrt auf.

Der GenoBonitätsindex

Risikoeinschätzungen wie der Geno-Bonitätsindex stellen einen bedeutenden Bestandteil eines effektiven Kredit-Entscheidungssystems dar. Bei der Kreditvergabe können mithilfe des Index objektive Aussagen über die Bonität gemacht und so das Risiko von Zahlungsausfällen verringert werden. Mit der SCHUFA-Schnittstelle in agree21 haben Genossenschaftsbanken die Möglichkeit einen Prozess zu implementieren, der auf der einen Seite ein effektives Risikomanagement gewährleistet und auf der anderen Seite die Aktualität ihrer Firmenkundendaten ständig verbessert. Zusätzlich profitieren die Genossenschaftsbanken schon aktuell im Firmenkunden-Schnellrating vom exklusiven SCHUFA-GenoBonitätsindex und der SCHUFA-VR-Risikoquote für passgenauere Prognosen. Der GenoBonitätsindex bietet eine für Genossenschaftsbanken optimierte und kundenindividuelle Nutzung der von der SCHUFA bereitgestellten Daten. Dies ermöglicht den Genossenschaftsbanken mehr Trennschärfe im Firmenkundenrating und damit eine deutlich präzisere Risikoeinschätzung.

Welche Vorteile ergeben sich für die Raiffeisenbanken und Volksbanken durch den SCHUFA-Geno-Bonitätsindex?

Beate Diery: Einerseits ergibt sich durch den Einsatz des Geno-Bonitätsindex eine noch höhere Trennschärfe im VR-Firmenkundenrating. Andererseits kann mit dem Einsatz des Index bei bestimmten Konstellationen bei den Banken auch eine Prozessverschlankung unter Beachtung der gegebenen aufsichtsrechtlichen Vorgaben realisiert werden. Ein Beispiel wäre die Online-Kreditgewährung bei Neukunden. Insofern ist der Geno-Bonitätsindex für den Einsatz im VR-Ratings für Firmenkunden durchaus zu begrüßen, weil wir die Qualität der Aussage des Ergebnisses deutlich erhöhen können.

Der neue SCHUFA-Geno-Bonitätsindex wurde eigens für die Genossenschaftsbanken entwickelt und fließt in das neue Firmenkundenrating 2.0 ein. Welche Ziele stehen hinter der Einführung des Firmenkundenratings 2.0?

Beate Diery: Wir haben momentan noch ein paar Lücken in der Rating-Logik. Durch das neue Firmenkundenrating können wir diese reduzieren. Gleichzeitig wird die Qualität des Verfahrens deutlich gesteigert - also die Trennschärfe der Aussagekraft erhöht sich. Somit verbessert sich auch die Wettbewerbsfähigkeit, weil die aktuelle Ermittlung der Ausfallwahrscheinlichkeit durch die laufende monatliche Rating-Berechnung in den Systemen erfolgt. Außerdem passiert das Ganze auch unter dem Blickwinkel von möglichen Prozessverbesserungen und unter Beachtung der aktuellen aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Risiko-Klassifizierungsverfahren.

Wie beurteilen sie die Qualität des Firmenkundenratings 2.0 durch die Hinzunahme der SCHUFA Risikoquote, welche sich aus dem SCHUFA-Geno-Bonitätsindex ableitet?

Klaus Hartinger: Kernpunkt oder das zentrale Kriterium eines Ratingverfahrens ist die sogenannte Trennschärfe, also die Fähigkeit eines Verfahrens – salopp gesagt – gute von schlechten Kreditnehmern möglichst ideal zu trennen und frühzeitig zu erkennen, wer besser wird und wer schlechter wird. Insofern ist die SCHUFA Risikoquote eine große Hilfe und zweifelsfrei auch eine Steigerung der Trennschärfe. Dies konnte über statistische Nachberechnungen belegt werden. Dadurch, dass das System für die Banken sehr schlank ablaufen kann, alles mit nur einem Mausklick funktioniert und die Daten automatisiert in die Banksysteme eingespielt werden, können die Häuser entsprechende Prozesserleichterungen oder -verschlankungen mit diesem Verfahren erreichen.

Wir schaffen Vertrauen: Der Wirtschaftsexperten-Podcast der SCHUFA

Die SCHUFA unterstützt Unternehmen in ihrem Privat- und Firmenkundengeschäft mit einem umfangreichen Lösungsportfolio rund um Bonität, Identität, Betrugsprävention und Compliance. Basis dafür ist der Datenbestand mit kreditrelevanten Informationen zu Privatpersonen und Unternehmen. Durch Lösungen der SCHUFA werden für Privat- und Geschäftskunden schnelle, kostengünstige und unbürokratische Vertragsabschlüsse möglich, gleichzeitig minimieren Unternehmen das Risiko von Zahlungsausfällen. In diesem Podcast sprechen Expertinnen und Experten aus Risikomanagement und Kreditwirtschaft über aktuelle Trends und Herausforderungen der Wirtschaftswelt und erklären, wie sich Unternehmen mit aktuellen Informationen einen einzigartigen Wissensvorsprung verschaffen können.

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