Warum verarbeitet die SCHUFA Informationen über Handyverträge?

Die SCHUFA nutzt Informationen über vertragsgemäß durchgeführte Verträge. Das macht bei vielen Menschen eine gute Bonitätsbewertung erst möglich – vor allem, wenn über sie kaum kreditrelevante Daten vorliegen. Das ist zum Beispiel bei jungen Menschen der Fall oder bei Migranten oder Seniorinnen. Aktuell kritisieren dieses einige Medien. Wir beantworten Fragen, die zu der aktuellen Diskussion an uns gestellt werden:

Warum nutzen Auskunfteien überhaupt Informationen zu Handyverträgen?

Die Verarbeitung von Vertragsdaten – dazu zählen zum Beispiel Girokonten, Kreditkarten und auch Informationen zu bestimmten Handyverträgen - ist eine seit Jahren von Auskunfteien in Deutschland durchgeführte Praxis, die sich für Verbraucherinnen und Verbraucher bewährt hat. Positivdaten fördern das Vertrauen von Anbietern in die Zahlungsbereitschaft und Zahlungsfähigkeit von Konsumenten.

Werden diese Daten genutzt, um zum Beispiel wechselbereite oder „unbequeme“ Kunden zu identifizieren?

Nein! Diese Daten fließen ausschließlich in die Bonitätsbewertung und Betrugsverhinderung ein.

Was wäre der Nachteil für Kunden, wenn Auskunfteien auf die Verarbeitung von Positivdaten verzichten würden?

Eine Kreditwürdigkeitsprüfung ist bei Vorliegen einer ausreichenden Kredithistorie besser möglich. Pauschale Forderungen nach einem Weniger an Daten sind in diesem Sinne nicht immer im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher. Ohne eine Kredithistorie ist der Zugang zu Angeboten erschwert. Darüber hinaus wäre der Schutz vor (Identitäts-)Betrug ohne diese Informationen kaum möglich.

„Positivinformationen sind Hinweise darauf, dass Unternehmen Konsumenten Vertrauen schenken.“

Dr. Ole Schröder, Vorstand SCHUFA Holding AG

Stimmt es, dass Auskunfteien die Verwendung von Positivdaten vor den Datenschutzbehörden verschleiert haben?

Nein, im Zuge der Umstellung auf die DSGVO fanden umfangreiche Gespräche zur Ausgestaltung der verschiedenen Auskunfteiverfahren statt. Dabei wurde den Auskunfteien auch von den Datenschutzaufsichtsbehörden empfohlen, künftig auf die Jahrzehnte lang bewährte „SCHUFA-Klausel“ zu verzichten. Auch werden die Aufsichtsbehörden stets über neue Versionen der allgemeinen Vertragsbedingungen der SCHUFA informiert, die auch den von der SCHUFA verarbeiteten Informationskatalog enthalten. Auch aktuell stehen wir in engem Kontakt mit Datenschutzbehörden, um gemeinsam einen Weg zu finden, die geänderte Auffassung der Datenschutzaufsichtsbehörden so zu gestalten, dass Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin von einer ausreichenden Kredithistorie profitieren können.

Diese Daten speichert die SCHUFA

Zu über 90 % aller Personen, zu denen wir Daten speichern, liegen ausschließlich positive Vertragsinformationen vor.

Welche Daten aus den Handyverträgen werden denn genau genutzt?

Wichtig: Wir führen keine Vertragsdatenbank! Wir erhalten ausnahmslos nur Informationen über Telekommunikationsverträge mit einem kreditorischen Risiko – also Verträge, bei denen der Mobilfunkanbieter finanziell in Vorleistung geht, wenn z.B. ein teures Handy mitfinanziert wird. Das sind momentan ca. 25% der Verträge.

Gespeichert wird dann, dass ein Vertrag mit einem Mobilfunkanbieter besteht sowie das dazugehörige Vertragsdatum. Weitere Daten wie Vertragssumme, Höhe der monatlichen Gebühren, Vertragswechsel oder auch Verbindungsdaten werden nicht verarbeitet.

Datenschützer führen an, dass für die bisherige Form der Verarbeitung von Positivdaten die rechtliche Grundlage fehlt?

Wir verarbeiten ausschließlich Daten, die zum Zwecke der Bonitätsprüfung und Betrugsprävention erforderlich sind. Dazu gehören auch Daten aus Mobilfunkverträgen, die ein kreditorisches Risiko bergen. Zum Beispiel dann, wenn ein Handy mitfinanziert wird. Wir sind der Auffassung, dass der Mobilfunkanbieter daher ein „berechtigtes Interesse“ nach Art. 6 Abs. 1 Buchst. f) DS-GVO hat und solche Vertragsabschlüsse bei einer Risikoprüfung berücksichtigt werden dürfen. Darüber informiert der Anbieter in den AGBs. Trotz unterschiedlicher Rechtsauffassung tauschen sich die Wirtschaftsauskunfteien derzeit intensiv mit den Datenschutzbehörden aus, um eine Lösung zu finden, damit Verbraucher weiterhin von Positivdaten profitieren können.

In der aktuellen Berichterstattung wird behauptet, dass die SCHUFA eine Art Datenbank zu sämtlichen Mobilfunkverträgen aufgebaut hat und damit auch Informationen zu Wechselwille und –häufigkeit von Kunden für die Anbieter bereithält. Ist das korrekt?

Nein, diese Behauptung ist falsch. Aufgrund der gespeicherten Informationen ist eine solche Zuordnung nicht möglich.

Verbraucherschützer behaupten, dass sich Positivdaten Rückschlüsse auf das Verhalten von Verbrauchern ziehen lassen und warnt vor dem „gläsernen Kunden“. Ist das richtig?

Eine solche Analyse ist aufgrund der gespeicherten Daten nicht möglich und für die SCHUFA auch nicht von Interesse. Wir erheben Daten ausschließlich, um die Rückzahlungswahrscheinlichkeit von Kreditgeschäften verlässlich, fair und neutral zu berechnen und zur Betrugsprävention, um redliche Verbraucher und Unternehmen zu schützen.

Warum holt sich die SCHUFA nicht das Einverständnis der Verbraucher ein?

Die Datenschutzaufsichtsbehörden hatten im Zuge der Umstellung auf die DSGVO den Auskunfteien davon abgeraten. Nach unserer Auffassung folgen wir jedoch den gesetzlichen Vorgaben: Verbraucherinnen und Verbraucher werden über die Weitergabe von Daten an die SCHUFA über die AGBs ihres Mobilfunkanbieters informiert. Eine Einverständniserklärung entfällt damit. Derzeit sind wir im intensiven Austausch mit Vertragspartnern, Verbänden und den Datenschutzbehörden, um eine Lösung zu finden, wie Verbraucherinnen und Verbraucher auch zukünftig von Positivdaten profitieren können.

Warum wird die Praxis der Auskunfteien jetzt von Datenschützern kritisiert?

Bis zur Datenschutznovelle im Jahr 2010 konnten sog. Positivdaten nur nach Einwilligung des Betroffenen übermittelt werden. Nach 2010 sah § 28a Absatz 2 BDSG eine Übermittlung ohne Einwilligung vor, sofern nicht ein schutzwürdiges Interesse des Betroffenen am Ausschluss der Übermittlung gegenüber dem Interesse der Auskunftei offensichtlich überwiegt.

Seit Einführung der DSGVO im Jahr 2018 beraten die Landesdatenschützer wieder, ob eine Nutzung von Positivdaten erneut einwilligungspflichtig gemacht werden muss. Mit Beschluss vom September 2021 haben sie sich auf diese Rechtsauffassung verständigt.

Die Auskunfteien in Deutschland teilen die von der Datenschutzkonferenz publizierte Rechtsauffassung nicht. Mehr Informationen dazu finden sich auf der Verbandsseite der Auskunfteien.

Verbraucherschützer fordern laut Medien die Löschung der Positivdaten. Wie geht es jetzt weiter?

Dieser Schritt hätte eine erhebliche Auswirkung auf die Kreditvergabe in Deutschland – konkret würden dann vor allem Menschen benachteiligt, die über wenig Bonitätsinformationen verfügen. Zum Beispiel junge Menschen, Migranten oder Seniorinnen. Ihnen würde die Teilhabe am wirtschaftlichen Leben deutlich erschwert. Nach dem aktuellen Beschluss der Datenschutzkonferenz prüfen wir jetzt mit Vertragspartnern, Datenschutzexperten und Verbraucherverbänden, wie wir weiterhin schnell, unkompliziert und sicher dazu beitragen können, dass Menschen auch weiterhin von ihren Positivdaten profitieren können.