Es ist die erste umfassende Erforschung der Unternehmensgeschichte zwischen 1933 und 1945: Die SCHUFA hat ihre Geschichte während des Nationalsozialismus von unabhängigen Wissenschaftlern untersuchen lassen. Die Geschichtsagentur D.I.E. Firmenhistoriker hat die Studie zu Strukturen und Personen während des Nazi-Regimes erstellt.

Diese Fragen beantworten die Wissenschaftler: Welche Rolle spielte die SCHUFA im wirtschaftlichen System des Nationalsozialismus? Wurden die von der SCHUFA erhobenen Daten durch die Nationalsozialisten missbraucht? Welches Schicksal erlitten die jüdischen Gründer der SCHUFA und die Mitglieder des Verwaltungsrates?

Die SCHUFA veröffentlicht die Ergebnisse des unabhängigen Gutachtens der Historiker Dr. Matthäus Wehowski, Dr. Dennis Basaldella und Dr. Rainer Lächele. Denn das gehört zur Verantwortung eines Unternehmens für seine Geschichte.

Das Gutachten zur Geschichte der SCHUFA im Nationalsozialismus wurde von der Agentur D.I.E. Firmenhistoriker GmbH erstellt. Die SCHUFA hat sie beauftragt, um ihre eigene Geschichte kritisch zu beleuchten und transparent zu dokumentieren. Die unabhängigen Historiker kommen in ihrem Gutachten zu folgenden Ergebnissen:

  • Auf Basis der ausgewerteten Quellen finden sich keine Hinweise auf eine bedeutende strukturelle Verstrickung der SCHUFA in das NS-System.
  • Die SCHUFA war in der NS-Zeit ein wirtschaftlich relevantes Unternehmen, das in einer Nische operierte und deshalb nicht im unmittelbaren Fokus der nationalsozialistischen Gleichschaltung stand. Der Fortbestand wurde auch durch das Interesse des Regimes an funktionierenden wirtschaftlichen Strukturen begünstigt.
  • Die Tätigkeit der SCHUFA wurde ab Ende der 1930er Jahre durch die Kriegswirtschaft zunehmend eingeschränkt.
  • Nach allen derzeit verfügbaren Quellen lässt sich kein Missbrauch der Datenbestände der Berliner SCHUFA oder ihrer lokalen Ableger für die Zwecke des nationalsozialistischen Regimes nachweisen.
  • Die SCHUFA nutzte nur rein kreditrelevante Daten und keine Daten wie Abstammung, Religionszugehörigkeit oder politische Einstellung.
  • Die SCHUFA wurde 1927 von den jüdischen Juristen und Unternehmern
    Dr. Kurt Meyer, Dr. Walter Gerhard Meyer und Dr. Robert Kauffmann gegründet. Auch der erste Verwaltungsausschuss war überwiegend jüdisch geprägt.
  • Die jüdischen Gründer und Mitglieder des Verwaltungsausschusses waren mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zunehmenden Restriktionen ausgesetzt, wurden aus ihren Funktionen gedrängt und waren zur Emigration gezwungen.
  • Eine besondere Rolle hatte Dr. Kurt Meyer: Er war erster Geschäftsführer und prägende Aufbaufigur der SCHUFA. Er verblieb – im Vergleich zu anderen Unternehmen – relativ lange im Amt. 1937 wurde er dann jedoch aus seiner Position gedrängt und zur Emigration gezwungen.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Kurt Meyer aus dem Exil nach Deutschland zurück und unterstützte den bundesweiten Wiederaufbau der SCHUFA aktiv.

Das vollständige Gutachten der Historiker ist als pdf-Dokument abrufbar.

Ziel des Gutachtens war es, die Rolle der SCHUFA während der Zeit des Nationalsozialismus sowie das Schicksal der jüdischen Führungspersönlichkeiten umfassend zu untersuchen. Es ist das erste Mal, dass eine Auskunftei wie die SCHUFA ihre Geschichte aufarbeiten lässt. Dabei wurde die Recherche vor allem durch ein historisches Ereignis erschwert: Am 5. Februar 1945 wurde das Gebäude der Berliner SCHUFA durch ein Bombardement der Alliierten vollkommen zerstört.

“Wichtige Unterlagen zur Geschäftsentwicklung der SCHUFA und über das Personal aus dieser Zeit sind nicht mehr vorhanden. Für das Gutachten war deshalb eine aufwendige externe Recherche notwendig. Anschließend mussten wir diese Bruchstücke der Überlieferung auswerten und zusammenfügen”, sagt Dr. Rainer Lächele, promovierter Historiker und Geschäftsführer der Geschichtsagentur D.I.E. Firmenhistoriker GmbH.

Die Historiker werteten für die Untersuchung mehr als 70 Archive, Institutionen und Datenbanken in Deutschland, Polen, den Vereinigten Staaten, Argentinien und der Schweiz aus. Dazu zählten unter anderem das Bundesarchiv, das Archiv des Technikmuseums Berlin, das Landesarchiv Berlin, das Sächsische Staatsarchiv oder die Entschädigungsbehörde Berlin. Sie erhielten zudem Zugang zum internen Aktenbestand der SCHUFA, der seit der Neugründung der SCHUFA im Jahr 1951 vollständig ist.

1933

  • 17./18. März 1933
    Schon kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wird SCHUFA-Mitgründer Dr. Robert Kauffmann im Zuge der Gleichschaltung der Bewag verhaftet und zum Rücktritt gezwungen.
  • 30. März 1933
    Robert Kauffmann flieht mit seiner Familie aus Deutschland ins Exil nach London.
  • 21. April 1933
    Dr. Walter Gerhard Meyer verliert nach politischem Druck seine Funktion als Prokurist und Betriebsdirektor der Bewag. Kurz darauf verlässt auch er Deutschland und flieht über Brüssel und dann über Genua nach Buenos Aires.
  • Ende 1933
    Die jüdischen Mitglieder des SCHUFA-Verwaltungsausschusses scheiden aus ihren Funktionen aus und/oder fliehen ins Ausland. Damit endet die prägende Rolle der jüdischen Gründergeneration in der Unternehmensführung. Nur Kurt Meyer verbleibt noch bis 1937 in seiner Position.

1934

  • Mit mehr als 464.000 erteilten Auskünften erreicht die Berliner SCHUFA einen historischen Höchststand. Obwohl sich die politische Situation dramatisch verändert hat, wächst die wirtschaftliche Bedeutung der SCHUFA zunächst weiter.

1935

  • Juni 1935
    Kurt Meyer wird gezwungen, einen neuen und deutlich ungünstigeren Arbeitsvertrag als Geschäftsführer der SCHUFA zu unterschreiben: Sein Gehalt wird gekürzt, der Vertrag gilt nur noch für ein Jahr. Mit den Nürnberger Gesetzen verschlechtert sich ab September 1935 die Situation jüdischer Bürger weiter.

1937

  • 31. März / 1. April 1937
    Dr. Kurt Meyer scheidet als Geschäftsführer der Berliner SCHUFA aus und wird zur Emigration, zunächst nach London und ab 1939 nach Argentinien, gezwungen. Damit endet die unmittelbare Tätigkeit des letzten der drei Gründer für das Unternehmen.

1939

  • 1. September 1939
    Bereits ab 1938 sinkt die Nachfrage nach Auskünften deutlich. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs bricht das Geschäft mit Konsumkrediten vollständig ein. Die SCHUFA konzentriert sich zunehmend auf die Verwaltung und den Erhalt ihres Datenbestandes.

1945

  • 5. Februar 1945
    Ein Luftangriff zerstört die Berliner SCHUFA. Das Karteikartenarchiv und nahezu sämtliche Unternehmensunterlagen gehen verloren.
  • Mai 1945
    Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs beginnt die spätere Neuorganisation der SCHUFA. Zu den prägenden Persönlichkeiten des Wiederaufbaus gehört ab 1955 auch der aus dem Exil zurückgekehrte Mitgründer Dr. Kurt Meyer.

D.I.E. Firmenhistoriker GmbH hat sich auf die Erforschung von Unternehmens- und Wirtschaftsgeschichte spezialisiert. Die 2001 gegründete Agentur erstellt unabhängige Gutachten zu historischen Fragestellungen, insbesondere zur Rolle von Unternehmen und Institutionen in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Historiker arbeiten an den Standorten Aalen und Berlin.