Ernst Adolf Leipziger war Mitglied des Verwaltungsausschusses der SCHUFA. Wir dokumentieren hier seine Biografie aus dem Gutachten „Institution unter dem Radar? Gutachten über die SCHUFA im Nationalsozialismus “:
Was war die Rolle von Ernst Adolf Leipziger in der SCHUFA?
„Ernst Adolf Leipziger, geboren am 02.04.1889 in Berlin, war in zahlreichen Unternehmen seiner Geburtsstadt tätig. 1912 betrieb er gemeinsam mit dem Kaufmann Leo Lentz die Deutsche Reklame Zeitschriften GmbH. Ab 1915 war er Mitglied des Vorstands der Herdkessel-Industrie AG in Berlin, 1922 saß er im Aufsichtsrat der 1913 entstandenen Vereinigten Jaeger, Rothe & Siemens-Werke AG in Leipzig, die u. a. Wasserleitungssysteme produzierte. 1925 wurde er 2. Direktor der im selben Jahr gegründeten Lindner Nutzwagen-Karosserien-AG, die sich auf die Produktion von Lastkraftwagen spezialisiert hatte. Über die Ausbildung Leipzigers ist nichts bekannt, er wird zunächst als Kaufmann bezeichnet, später als Bankier und Börsenmakler. Als Titel führte er eine Ehrendoktorwürde (Dr. h. c.). Im Verwaltungsausschuss der SCHUFA repräsentierte er die Kreditanstalt für Verkehrsmittel AG, deren Vorstand er angehörte.”
Was geschah mit Ernst Adolf Leipziger nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933?
„Ernst Leipziger floh nach der ersten Terrorwelle gegen Juden am 1. April 1933 von Berlin nach Italien.1934 lebte er in Paris. Er vernetzte sich dort mit anderen jüdischen Exilanten und geriet deswegen ins Fadenkreuz der Gestapo: „Einige jüdische Großschieber betreiben hier die unverschämteste Hetzpropaganda“ und würden „ausnahmslos wegen gemeiner Delikte von unseren Behörden gesucht werden, also selbst abgesehen vom politischen Standpunkte unschädlich gemacht werden“, heißt es etwa in einem als „streng vertraulich“ gekennzeichneten Schreiben des Innenministeriums an das deutsche Generalkonsulat in Paris. Leipziger lebte gemeinsam mit dem Bankier Stefan Jakobowitz (*1886), Oskar Steinberg (*1888) und Alexander Markiewitz (*1894) in einem Appartement in der Nähe des Arc de Triomphe (22 Rue Beaujon). „Alle diese Leute sind durch herausgeschobene Kapitalien in guten Verhältnissen, haben nebstbei elegante Bureaux etc. und schaden Deutschland ungeheuer“, so das deutsche Innenministerium. Ob Leipziger sich von der Gestapo bedroht fühlte und deshalb Frankreich verließ, ist nicht bekannt. 1936 wohnte er in der Schweiz, wanderte am 30.09.1936 nach New York aus und stellte dort einen Antrag auf Einbürgerung. In den USA ließ er seinen Namen zu Ernest Adolf Lester ändern. Ab da verliert sich seine Spur. Ein Todesdatum ist nicht bekannt.”