Kurt Meyer war Mitgründer und erster Geschäftsführer der SCHUFA. Der promovierte Jurist, der nach dem Ersten Weltkrieg zunächst für Unternehmen und Verbände tätig war und 1925 die Zulassung als Rechtsanwalt in Berlin erhielt, gründete 1927 mit seinem Bruder Gerhard Meyer und dem Bewag-Vorstand Robert Kauffmann die SCHUFA. Als er die Geschäftsführung übernahm, galt er bereits als hervorragend vernetzter Jurist mit wirtschaftlichem Sachverstand.

Meyer war überzeugt, dass Vertrauen im Kreditgeschäft auf verlässlichen Informationen beruhen müsse. Deshalb prägte er von Beginn an das Gegenseitigkeitsprinzip der SCHUFA: Unternehmen meldeten ihre Informationen zu Kredit- und Ratenzahlungen und erhielten im Gegenzug Auskünfte über potenzielle Kunden. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Berliner SCHUFA erfolgreich: Das Kartenarchiv wuchs von 1,5 Millionen Datensätzen im Jahr 1929 auf rund 2,6 Millionen Einträge bis 1935.

Zeitgenossen bezeichneten Meyer später als den „führenden Mann der ganzen Schufa-Bewegung“ – ein Hinweis auf seinen prägenden Einfluss auf die frühe Entwicklung der Auskunftei.

Kurt Meyer stammte aus einer jüdischen Familie und arbeitete neben seiner Tätigkeit für die SCHUFA als Rechtsanwalt und Notar in Berlin. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verschlechterte sich seine berufliche Situation zunehmend. Er verlor seine Zulassung als Notar, und die Boykottmaßnahmen gegen jüdische Geschäfte ließen seine anwaltliche Tätigkeit zusammenbrechen.

Als Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs konnte Meyer zunächst Geschäftsführer der SCHUFA bleiben. Mit den Nürnberger Gesetzen von 1935 entfiel dieser Sonderstatus jedoch. Sein Gehalt wurde gekürzt, seine Zukunft im Unternehmen zunehmend unsicher. Am 31. März 1937 sah sich Meyer schließlich gezwungen seine Position als Geschäftsführer der SCHUFA aufzugeben und wurde kurz darauf auch Ziel antisemitischer Hetze im nationalsozialistischen Blatt Der Stürmer.

Im Juni 1937 floh Meyer nach London. Vor seiner Flucht musste Meyer die sogenannte Reichsfluchtsteuer entrichten. In Großbritannien arbeitete er zunächst für ein Unternehmen der Filmbranche, verlor seine Stelle jedoch mit Beginn des Zweiten Weltkriegs, als deutsche Patente für unwirksam erklärt wurden. Gleichzeitig drohte ihm als deutschem Staatsangehörigen die Internierung als feindlicher Ausländer.

1940 emigrierte Meyer gemeinsam mit seiner Frau nach Argentinien. Dort arbeitete er zunächst für eine landwirtschaftliche Genossenschaft und später als selbstständiger Kaufmann in Buenos Aires. Trotz seines Lebens im Exil riss die Verbindung nach Deutschland nie ganz ab. 1952 beantragte er seine Wiederzulassung als Rechtsanwalt in Berlin, die ihm ein Jahr später erteilt wurde. Mitte der 1950er-Jahre kehrte Meyer nach Deutschland zurück und arbeitete erneut für die SCHUFA. Von Köln aus unterstützte er den Wiederaufbau der SCHUFA im gesamten Bundesgebiet. Besonders wichtig blieb ihm dabei der Gedanke, dass die SCHUFA nicht nur den Interessen der Kreditwirtschaft dienen, sondern auch Kreditnehmer schützen sollte. Kurt Meyer starb 1980 im schweizerischen Ascona.