Siegfried Katz war Mitglied des Verwaltungsausschusses der SCHUFA. Wir dokumentieren hier seine Biografie aus dem Gutachten „Institution unter dem Radar? Gutachten über die SCHUFA im Nationalsozialismus“:

Was war die Rolle von Siegfried Katz in der SCHUFA?

„Siegfried Katz wurde am 12.08.1887 in Rastenburg/Ostpreußen (heute Kętrzyn) geboren. Seine Familie gehörte der dortigen kleinen jüdischen Gemeinde an. Er studierte Rechtswissenschaft in Königsberg und begann dort 1909 das Referendariat. 1910 erfolgte seine Vereidigung als Rechtsanwalt in Augsburg. Was Katz mit Kauffmann gemeinsam hatte, war die Erfahrung beim Militär: Bereits am zweiten Tag der Mobilmachung am 2. August 1914 ging er an die Front und kämpfte bis Kriegsende am 11. November 1918, zuletzt im Rang eines Unteroffiziers. Danach blieb er beim Militär, bis zum 10. November 1919 war er beim Ostpreußischen Fußartillerie Reg. 1 „von Linger“ stationiert. Ab Dezember 1919 setzte er seine zivile Karriere als Anwalt fort und war bei verschiedenen Gerichten in Berlin tätig. Schließlich wurde er Direktor der 1927 eingerichteten Berliner Tochtergesellschaft der Züricher „Kaufkredit A.G.“. Katz gehörte zu den Pionieren des Konsumentenkredits und verfasste während der 1920er-Jahre zahlreiche Artikel zum Thema. 1928 präsentierte er eine Bilanz zum zweijährigen Bestehen dieses Finanzierungsmodells und stellte dabei fest, dass „die Konsum-Finanzierung zwar noch nicht ‚amerikanisches Format‘ angenommen hat, dass aber die kommenden Jahre aller Voraussicht nach den Umfang und damit die Umsatzsteigerung bringen werden, die sich die Väter des Systems errechnet haben“

Was geschah mit Siegfried Katz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933?

„Im Gegensatz zu seinen Kollegen aus dem Verwaltungsausschuss floh Katz nicht aus Deutschland, sondern bemühte sich, als ausgezeichneter Frontkämpfer seine Zulassung als Rechtsanwalt nach dem April 1933 zurückzuerhalten. Obwohl das Verfahren langwierig und mitunter auch demütigend war, erhielt Katz seine Zulassung tatsächlich zurück. Nach Inkrafttreten der „Nürnberger Gesetze“ verlor er 1935 seine Zulassung als Notar. Seine Bemühungen, diese zurückzuerlangen, scheiterten 1936. Er praktizierte zuletzt als Rechtsanwalt in seiner Privatwohnung, bis 1938 ein umfassendes Berufsverbot für Juden jegliche Tätigkeit unmöglich machte. Katz gelang es nicht mehr, rechtzeitig aus dem Reich zu fliehen. Am 26. Oktober 1942 wurde er mit anderen jüdischen Frauen, Männern und Kindern von den Nazis nach Riga deportiert und dort kurz nach der Ankunft ermordet."