Walter Gerhard Meyer war der jüngere Bruder des SCHUFA-Mitgründers Kurt Meyer. Der promovierte Staatswissenschaftler arbeitete seit 1924 bei der Berliner Bewag, zunächst als Assistent von Robert Kauffmann. Wenig später stieg er zum Direktor für kaufmännische Verwaltung auf und übernahm anschließend die Funktion des Direktionsassistenten.
Dort war er maßgeblich am Aufbau der „Elektrissima“ beteiligt, eines Ratenkaufmodells für Elektrogeräte. Die dabei gewonnenen Erfahrungen mit Konsumentenkrediten und Zahlungsausfällen bildeten eine wichtige Grundlage für die spätere Gründung der SCHUFA. Gemeinsam mit Kauffmann und seinem Bruder gehörte Walter Gerhard Meyer 1927 zum Gründerkreis der SCHUFA.
Seine berufliche Laufbahn in Deutschland endete jedoch schon wenige Jahre später. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten verlor Meyer seine Stellung bei der Bewag, die gleichgeschaltet wurde. Sein Arbeitsvertrag wurde 1933 zwangsweise aufgehoben. Noch im selben Jahr entschloss er sich zur Flucht. Mit seiner Mutter Elena und seiner Ehefrau Else verließ er Deutschland im Juli 1933 über Brüssel und Genua in Richtung Argentinien. Wie viele Verfolgte des NS-Regimes musste auch er vor seiner Ausreise die sogenannte Reichsfluchtsteuer entrichten.
In Buenos Aires gelang Meyer ein schneller beruflicher Neuanfang. Er trat in die Compañía Argentina de Electricidad ein, eine Tochtergesellschaft der deutschen AEG. Dort arbeitete er über viele Jahre in leitender Funktion. Später übernahm er zusätzlich Führungsaufgaben bei dem landwirtschaftlichen Unternehmen Fortin Viejo S.A. In Argentinien verwendete er die spanische Form seines Namens und trat als Gualterio Gerardo Meyer auf.
Er blieb bis ins hohe Alter eng mit Argentinien verbunden, reiste regelmäßig nach Europa. Er starb 2003 im Alter von 101 Jahren in Wien.