SCHUFA RISIKO- UND KREDIT-KOMPASS AKTUELL

Auswertungen zum Kreditverhalten von Unternehmen und Privatpersonen infolge der Corona-Krise

Auf dieser Seite stellen wir mit unserem Corona-Dashboard regelmäßig zentrale Kennzahlen zum Kreditverhalten von Unternehmen und Privatpersonen in der Corona-Krise zur Verfügung. Diese basieren auf Analysen des SCHUFA-Datenbestands. Durch einen Vergleich zu den Daten der Vorjahre lassen sich Rückschlüsse über die Auswirkungen der Corona-Krise für Verbraucher und Unternehmen ziehen.

Befragungen (Stand: März 2021)

Grafik Haushaltseinkommen Unternehmer

Die aktuellen Befragungsergebnisse der SCHUFA-Studie zeigen, dass Soloselbständige (70 Prozent) und Kleinstunternehmer (64 Prozent) sehr viel stärker von Einbußen beim Haushaltseinkommen betroffen sind als die Gesamtbevölkerung (38 Prozent). Die Unzufriedenheit mit der finanziellen Situation ist vor allem bei Soloselbständigen von 50 auf 60 Prozent weiter angestiegen. Die schwierige Lage wirkt sich auch auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kleinstunternehmen aus: Die Hälfte der Befragten gibt unverändert an, dass es schwerfallen wird, die Gehälter ihrer Mitarbeiter zu bezahlen.

„Die Mehrheit der Soloselbständigen und Kleinstunternehmen bewerten ihre Gesamtsituation immer noch positiv. Aber wir sehen, dass ein großer Teil zunehmend in erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. Diese Gruppe muss auch privat teils massive Einbußen hinnehmen,“ kommentiert Ole Schröder, Vorstandsmitglied der SCHUFA Holding AG.

Bereits im Herbst des vergangenen Jahres hatte die SCHUFA Soloselbständigen und Kleinstunternehmen zu ihrer geschäftlichen und privaten wirtschaftlichen Lage in der Corona-Krise befragt. Vor einem halben Jahr waren die Ergebnisse noch deutlich optimistischer ausgefallen.

Uneinheitliches Bild bei der Auftragslage

IInsgesamt hat sich nach den aktuellen Zahlen bei den Soloselbständigen und Kleinstunternehmen die Auftragslage weiter leicht verschlechtert: Jeweils rund 60 Prozent haben eher weniger oder deutlich weniger zu tun. Die Hälfte der Soloselbständigen und mehr als 40 Prozent der Kleinstunternehmen geht für 2021 von einem geringeren Umsatz gegenüber 2019 aus. Zugleich erwarten aber auch weit mehr als ein Viertel der Befragten Umsatzsteigerungen. Positiv bleibt festzuhalten, dass trotz der aktuellen Situation mit 62 Prozent die Mehrheit der Soloselbständigen und mit 75 Prozent insbesondere der Kleinstunternehmen die Zukunft des eigenen Unternehmens als sicher oder sehr sicher einschätzt.

„Nach wie vor ist der Blick auf den Einzelfall entscheidend. Auch wenn einzelne Unternehmen vor großen Herausforderungen stehen, deuten unsere Daten insgesamt noch nicht auf einen Anstieg von Zahlungsstörungen in dieser Gruppe hin. Das ist ein positives Signal,“ sagt Ole Schröder.

Grafik Umsatzentwicklung
Grafik Zukunft Unternehmen

Große Nachfrage – aber auch Unzufriedenheit bei den staatlichen Hilfsmaßnahmen

40 Prozent der Soloselbständigen und über 50 Prozent der Kleinstunternehmen haben Hilfsmaßnahmen beantragt, davon am häufigsten die verschiedenen Soforthilfen bzw. Überbrückungshilfen von Bund und Ländern: Mehr als 50 Prozent der Soloselbständigen und mehr als drei Viertel der Kleinstunternehmen haben diesen Schritt unternommen.

Doch die Zufriedenheit mit diesen Maßnahmen ist gering. Nur 29 Prozent der Soloselbständigen und 39 Prozent der Kleinstunternehmen sind eher oder sehr zufrieden mit den Hilfsmaßnahmen von Bund und Ländern. Die Gründe: Die Befragten sind der Meinung, dass Soloselbständige und Kleinstunternehmen bei der Auszahlung benachteiligt werden oder diese zu lange dauern, dass private Ausgaben nicht berücksichtigt werden und dass es zu viele unklare Einschränkungen und Voraussetzungen gibt.

Grafik Kritikpunkte Corona-Hilfen

Lockerungen werden befürwortet

Vor dem Hintergrund der oben genannten Ergebnisse verwundert es nicht, dass inzwischen die Mehrheit Lockerungen der Corona-Maßnahmen befürwortet: bei den Soloselbständigen sind dies 56 Prozent und bei den Kleinstunternehmen 58 Prozent der Befragten.

Die Online-Befragung wurde Ende Februar unter 502 Soloselbständigen und 306 Kleinstunternehmen durchgeführt. Die Umfrageergebnisse sowie die neuesten Entwicklungen im Kredit- und Rückzahlungsverhalten von Verbrauchern und Unternehmen in der Corona-Krise veröffentlicht die SCHUFA online im Corona-Dashboard.

Grafik Zukunftssorgen Jugendliche

„Die deutschen Verbraucher kommen insgesamt wirtschaftlich noch gut durch die Corona-Krise: Der eigene Arbeitsplatz wird als überwiegend sicher eingeschätzt und die finanzielle Situation der meisten Haushalte hat sich nicht verschlechtert. Dies zeigen auch die Daten der SCHUFA zum Kreditverhalten der Menschen in Deutschland; hier gibt es aktuell noch keine Zunahme der Zahlungsstörungen. Dennoch hinterlässt Corona Spuren in der Bevölkerung – vor allem junge Erwachsene und einkommensschwache Haushalte haben finanzielle Sorgen“, sagt Dr. Ole Schröder, Vorstandsmitglied der SCHUFA Holding AG.

Grafik Zukunftsängste Verbraucher
Grafik Arbeitsplatzsicherheit
Grafik Sparverhalten hinter Arbeitsplatzsicherheit

Junge Menschen und einkommensschwache Haushalte mit finanziellen Verlustängsten

So sind junge Menschen häufiger von Einkommenseinbußen im Zuge der Corona-Pandemie betroffen. 49 Prozent der befragten 18- bis 25-Jährigen geben an, Verluste beim Einkommen zu haben, in der Gesamtbevölkerung liegt dieser Anteil bei 38 Prozent. Und 46 Prozent der Haushalte mit einem Nettoeinkommen von unter 2.000 Euro hat Sorge, in den kommenden sechs Monaten finanzielle Verluste zu erleiden, vor allem, wenn der Lockdown verlängert wird. Unter den Haushalten mit einem Nettoeinkommen über 4.000 Euro befürchten dies nur 31 Prozent.

Grafik Einkommenseinbußen

Kreditnehmer vertrauen ihrer Bank

Auch wenn die Auswertungen der SCHUFA aktuell noch keine Zunahme der Zahlungsstörungen zeigen, geht gut ein Viertel (28 Prozent) der Befragten mit einem Kredit davon aus, in den nächsten sechs Monaten Bedarf nach Anpassungen bestehender Kreditverpflichtungen zu haben. Die Umfrage zeigt aber gleichzeitig, dass die Verbraucher in der Krise ihrer Bank vertrauen. Über 50 Prozent der Befragten gaben an, dass sie auf das Entgegenkommen ihrer Bank setzen würden, sofern sie aufgrund der Corona-Pandemie Schwierigkeiten bei der Bedienung ihrer Kreditverpflichtungen hätten. „Wir haben in Deutschland ein stabiles Kreditsystem und das Vertrauen der Verbraucher in ihre Bank als verlässlicher Partner auch in Krisenzeiten ist hoch“, sagt Schröder.

Grafik Bestehende Kreditverpflichtungen

Corona beeinflusst Finanz- und Konsumverhalten

In der aktuellen wirtschaftlichen Situation verschieben immer mehr Verbraucher größere Anschaffungen (aktuell 39 Prozent gegenüber 33 Prozent im November 2020). Gut ein Viertel (28 Prozent) muss auf Ersparnisse zurückzugreifen. Allerdings zeigen sich hier große Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen: Haushalte mit einem Nettoeinkommen bis unter 2.000 Euro haben sehr viel häufiger Rücklagen genutzt (36 Prozent) oder geplante Anschaffungen verschoben (47 Prozent) als die Einkommensgruppe über 4.000 Euro. In dieser Personengruppe waren nur 14 Prozent auf Ersparnisse angewiesen und 28 Prozent haben geplante Anschaffungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Grafik größere Anschaffungen

„Wir sehen, dass in der Corona-Krise eine soziale Schere aufgeht: Einkommensschwache Haushalte haben nicht nur größere Zukunftssorgen und Angst vor finanziellen Verlusten als einkommensstarke Haushalte. Sie müssen auch sehr viel häufiger auf Rücklagen zugreifen oder größere Ausgaben zurückstellen. Trotz der angespannten finanziellen Lage bei Teilen der Bevölkerung verzeichnet die SCHUFA allerdings weiterhin eine sehr hohe Zahlungsmoral in Deutschland. Wir erkennen keine erhöhte Anzahl von Zahlungsausfällen oder Störungen im Kreditgeschäft. Das ist ein starkes Signal der Verbraucher für Stabilität und Vertrauen in die Wirtschaft“, sagt Schröder.

Grafik Zukunftsängste einkommensschwacher Haushalte

Corona-Maßnahmen werden befürwortet – Impfbereitschaft hoch

Die Umfrage zeigt außerdem, dass die Verbraucher in Deutschland trotz der teils massiven Einschnitte die Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie weiter befürworten: 63 Prozent der Befragten geben an, dass sie die Maßnahmen der Bundesregierung für angemessen halten. Allerdings steigt der Wunsch nach Lockerungen um wirtschaftliche Auswirkungen gering zu halten (von 45 Prozent im September 2020 auf aktuell 59 Prozent). 69 Prozent der Befragt geben zudem an, sich sobald wie möglich impfen lassen zu wollen, bei den 18- bis 25-Jährigen ist diese Impfbereitschaft mit 56 Prozent geringer. Uneinigkeit herrscht darüber, ob es für Geimpfte Lockerungen der Corona-Maßnahmen geben sollte: Etwa die Hälfte (45 Prozent) spricht sich dafür aus.